Iran: Das Ende aller Hoffnungen?

Wirtschaftspolitik Die USA erhöhen den Druck auf den Iran. Die US-Sanktionen wirken sich auch auf deutsche Unternehmen aus.
  • Still ruht er – wie die Geschäfte vieler deutscher Firmen im Iran: ein See in der iranischen Provinz Süd-Chorasan. Symbolbild: Pixabay

Aalen

Als die Sanktionen gegen den Iran vor rund drei Jahren fielen, hofften auch deutsche Unternehmen – auf gute Geschäfte. Die internationalen Sanktionen hatten in der iranischen Wirtschaft einen Investitionsstau verursacht. Deutsche Wirtschaftsverbände hielten damals mittelfristig eine Vervierfachung des Exportvolumens von damals knapp 2,5 Milliarden auf mehr als 10 Milliarden für möglich.

Von der guten Stimmung ist heuer nichts mehr übrig. Für die deutsche Wirtschaft werden die vor Kurzem in Kraft getretenen Sanktionen der USA zur Belastung. Das spiegelt sich auch in den Zahlen wieder. In den ersten fünf Monaten sanken die Exporte in den iranischen Markt um fünf Prozent. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr war der deutsche Export in das Land um satte 16 Prozent gestiegen. Absolut lag das Volumen im Jahr 2017 bei drei Milliarden Euro. Im Exportranking des Statistischen Bundesamt liegt der Iran auf Platz 50, vor Ländern wie Argentinien (51.), Serbien (53.) Chile (54.) oder Katar (55.) und hinter Staaten wie Algerien (49.), Kroatien (48.) oder Litauen (47.). „Rund 120 Firmen haben in den vergangenen Jahren sogar ihre eigene Repräsentanz im Iran eröffnet“, erklärte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier in einem Interview.

Einige Firmen ziehen die Notbremse – aus Angst, das Geschäft mit dem Iran könnte Konsequenzen für den ungleich wichtigeren Exportmarkt USA haben. Die sind mit einem Exportvolumen von 111,5 Milliarden Euro laut Statistik der wichtigste Auslandsmarkt deutscher Firmen – noch vor Frankreich (2.) und China (3.).

Die Angst ist nicht unbegründet, wie die IHK Ostwürttemberg erklärt: „Wir raten den Unternehmen dringend die sogenannten Secondary Sanctions im Blick zu haben, denn diese zielen auch auf Unternehmen und Iran-Geschäfte ohne direkte US-Verbindung“, teilt die Kammer mit. Bei Verstößen gegen diese könnten die US-Behörden das deutsche Unternehmen auf eine schwarze Liste setzen. „Dann dürfte von US-Seite kein Geschäft mehr mit dem gelisteten Unternehmen gemacht werden, Lieferungen aus den USA könnten verweigert werden“, heißt es weiter.

US-Geschäft nicht in Gefahr bringen

Die Konsequenz: Viele Firmen haben versucht, im Iran Fuß zu fassen und müssen nun überlegen, ob sie das USA- oder das Iran-Geschäft verfolgen wollen. „Unternehmen mit starkem US-Geschäft werden wohl nüchtern nachrechnen müssen“, so die IHK.

Das schmerzt freilich.

Jörg S. Rieger
RUD-Geschäftsführer

Die RUD-Gruppe hat ihre direkten Handelsbeziehungen in den Iran komplett abgebrochen, wie Geschäftsführer Jörg S. Rieger erklärt. „Das schmerzt freilich, weil wir in Persien gute und treue Geschäftspartner haben, über die wir über viele Jahre hinweg große Umsätze in Millionenhöhe realisiert hatten.“Aber: „RUD kann und möchte sein prosperierendes US-Geschäft und die dortigen, erfolgreichen Marktstrategien nicht in irgendeine Gefahr bringen“, so Rieger. Im Land haben auch Daimler, Dürr und Herrenknecht erklärt, sich aus dem Iran zurückziehen zu wollen.

Der Maschinenbauer Voith war bereits zu Beginn der 2000er-Jahre im Iran aktiv, sieht „erhebliche Auswirkungen auf die Iran-Geschäfte der deutschen Wirtschaft“, so eine Sprecherin. Bei Voith sind aus heutiger Sicht künftige Aktivitäten insbesondere in den Märkten Öl & Gas, Rohstoffe, Transport sowie Energie betroffen.

Bankverbindungen sind Hauptproblem

Auch Mapal ist seit vielen Jahren im Iran vertreten und unterhält eine Repräsentanz in Teheran. Die Firma bedient im Iran ein relativ kleines Marktsegment. „In den vergangenen zwei Jahren hatten sich die Kontakte zu den iranischen Partnern wieder intensiviert und es wurden einzelne Projekte angebahnt“, so eine Sprecherin. Die Bedeutung des iranischen Marktes sei jedoch in der Vergangenheit vergleichsweise gering. Allerdings seien die Aktivitäten nach einigen Anfangsgeschäften derzeit aber „praktisch zum Erliegen gekommen“. Grund: die schwierige Abwicklung von Finanztransaktionen.

Damit sind die Aalener nicht alleine: Das Hauptproblem vieler Firmen mit Geschäftsbeziehungen in den Iran sind die Bankverbindungen. „Selbst Firmen, die nicht direkt von den US-Sanktionen betroffen sind oder kein US-Geschäft betreiben, finden aktuell keine Bank, die ihr Iran-Geschäft abwickelt“, so DIHK-Mann Treier.

© Wirtschaft Regional 03.09.2018 15:27
992 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?