Vision 2022 – Scholz Recycling legt zu

Neuausrichtung Der Mutterkonzern Chiho Environmental stärkt die Finanzkraft des Essinger Recyclers und verzahnt die Führungsebene. Dafür soll Technologiewissen nach China transferiert werden.
  • Im Stammwerk der Scholz Recycling GmbH in Essingen bleiben das komplette Recycling von Stahl- und Metallschrott sowie der Handel damit weiterhin die Kerngeschäfte. Foto: Bernhard Hampp
  • Neu bei Scholz (v.r.): Dr. Klaus Hauschulte, Nikola Roschitsch und André Mandel. Foto: -wh-

Essingen

Zum Ende des Jahres 2016 war die Umstrukturierung des in finanzielle Schieflage geratenen früher breit aufgestellten Essinger Familienkonzerns Scholz mit der Komplettübernahme durch die chinesische Chiho Environmental Group (CEG) abgeschlossen. Seit Anfang dieses Jahres sind auch die früheren Vorstände Berndt-Ulrich Scholz und Oliver Scholz komplett raus aus dem Unternehmen (wir berichteten).

Am Mittwoch hatte der seit dem 1. Februar 2018 amtierende Geschäftsführer Dr. Klaus Hauschulte sowie der neue Marketing- und Kommunikationsleiter André Mandel die Medien zum Informationsgespräch eingeladne. Die Kernbotschaft: Die neue Scholz Recycling GmbH mit Zentralsitz in Essingen bricht mit der „Vision Scholz 2022“ zu neuen (Wachstums)-Ufern auf.

Neue Strukturen

Die nach Anlaufverlusten im Jahr 2016 nun wieder profitable Scholz Recycling GmbH will sich als weltweiter Player nicht nur im Schrott-Stahl-Recycling-Markt, sondern auch im Recycling von anderen Stoffen führend positionieren. Die klaren Konzernstrukturen und die Finanzkraft des Mutterkonzerns CEG (die Chinesen haben in Scholz bislang etwa 700 Millionen Euro investiert) sollen dazu Leitlinien und Rückhalt geben – dafür erwarten die Chinesen einen nachhaltigen Transfer des technologischen Know-hows von Scholz, um im wachsenden Recycling-Markt Asiens erfolgreich agieren zu können. Dazu wurde die Organisation sowohl der CEG als auch der Scholz Recycling GmbH neu aufgestellte (siehe nebenstehenden Bericht).

Personalaufbau geplant

„Aufbauend auf dieser Struktur werden wir unsere Aktivitäten in Sachen Forschung und Entwicklung, Logistik und Kommunikation bündeln und stärken“, erklärte Hauschulte, „deshalb wird es, auch in Essingen, einen Personalaufbau geben“. Gesucht würden Fachkräfte für Recycling und F & E, aber es werde auch die Ausbildung intensiviert – Hauschulte: „Wir wollen ein attraktiver Arbeitgeber werden und bieten den Mitarbeiter in einem globalen Konzern Auslandsaufenthalte in den USA oder in China sowie Aufstiegsmöglichkeiten.

Am Standort Essingen bleibe der Fokus auf Schrott- und Stahl-Recycling mit der Spezialität Weichenschreddern, versicherte Hauschulte. An anderen Standorten, zum Beispiel in Rumänien, plane man auch Recycling von Holz und Papier.

Wir werden in Essingen Personal aufbauen.

Dr. Klaus Hauschulte
Scholz-CEO

High-Tech in Espenhain

Voll ausgelastet sei der High-Tech-Standort Espenhain bei Leipzig – Hauschulte: „Wir beginnen hier mit der Wiederverwertung von Turbinen aus alten Windkraftanlagen“. Das Recycling von Altautos bleibe aber das Kerngeschäft: „Mit einer Quote von 97 Prozent sind wir mit Abstand weltweit Technologieführer,“ sagte der CEO. Es gebe aber zwei Problemfelder: So würden zu viele Altautos aus Deutschland exportiert, weshalb nur 13 Prozent der Sekundärstoffe recycelt würden. „Da müssen wir politischen Druck machen“, sagte Hauschulte, „wir planen, einen parlamentarischen Abend zu veranstalten“. Den Automobilherstellern will der CEO nahelegen, weniger Carbon zu verarbeiten, „weil dieser Stoff nicht recycelbar ist.“

Giftstoffe entsorgt

Zum kürzlichen Giftstoffvorfall in Essingen sagte Hauschulte: „Es ist noch nichts aufgeklärt, man weiß noch nicht einmal, um welche Stoffe es sich dabei handelte. Möglicherweise aus der Lebensmittelindustrie.“ Die Giftstoffe seien aber entsorgt.

Über CEG und Scholz

Die chinesische Chiho Environmental Group (CEG) ist an der Börse in Hong Kong gelistet. Zu CEG mit weltweit 7000 Mitarbeitern gehören über 20 Standorte mit Schrottplätzen in Nordamerika und über 200 in Europa, davon 90 in Deutschland, sowie drei große Recyclingzentren in China.

Bei der Scholz Recycling GmbH arbeiten rund 3.650 Menschen, davon in 252 Essingen und 400 in Espenhain. Sie erwirtschafteten 2017 einen Umsatz von rund 2,5 Milliarden Euro. „Auch 2018 läuft für uns sehr gut“, ließ Dr. Klaus Hauschulte wissen, er sehe allerdings mit Blick auf die Politik in den USA und in der Türkei „Schatten“.

© Wirtschaft Regional 22.08.2018 19:37
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