Sumitomo lebt Internationalität vor

Werkzeugbauer Die Lauchheimer Sumitomo Electric Hartmetallfabrik ist Tochter des japanischen Megakonzerns Sumitomo – und setzt in Zeiten nationaler Abschottung besonders auf kulturelle Vielfalt.
  • Die Belegschaft der Sumitomo Electric Hartmetallfabrik in Lauchheim. Foto: Sumitomo Electric Hartmetallfabrik

Lauchheim

In Zeiten, in denen allerorten nationale Töne anklingen und von Abschottung die Rede ist, machen Wirtschaftsunternehmen der Region vor, wie Internationalität aussieht. Die Sumitomo Electric Hartmetallfabrik in Lauchheim in Lauchheim ist eines dieser Unternehmen.

„Wir haben hier in unserem Lauchheimer Werk eine hohe Vielfalt an Menschen, Kulturen, Sprachen und Arbeitsweisen“, betont Werkleiter Hans Metzdorf. Nicht nur etliche der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stammen ursprünglich aus anderen Kulturkreisen, auch das Unternehmen selbst hat seine Wurzeln im Fernen Osten.

Das 1989 gegründete Werk ist Teil von Sumitomo Electric, einem japanischen Industrieunternehmen, dessen Gründung auf das Jahr 1630 zurückgeht. In jenem Jahr gründete Masatomo Sumitomo im japanischen Kyoto ein Geschäft für den Verkauf von Medikamenten und Bücher. Heute beschäftigt der Sumitomo-Konzern weltweit mehr als 240.000 Beschäftigten in fünf Sparten und schreibt insgesamt einen Jahresumsatz von rund 23 Milliarden Euro.

Die 200 Mitarbeiter, die in Lauchheim Werkzeuge wie Wendeschneideplatten und Hartmetallbohrer herstellen, haben vom Mutterkonzern drei japanische Grundprinzipien mitbekommen: „Banji-nissei“ heißt das erste und bedeutet soviel wie „Gib immer dein Bestes, nicht nur im Beruf sondern auch privat.“ Das zweite Prinzip lautet „Shinyo-kakujitsu“. Übersetzt lautet das „Arbeite mit allen Partnern vertrauensvoll zusammen“. Und schließlich „Fusu-furi“, übersetzt mit „Halte dich an die Regeln“.

Wir haben eine hohe Vielfalt an Menschen, Kulturen, Sprachen und Arbeitsweisen.

Hans Metzdorf
Werkleiter

Zehn Millionen Euro in Lauchheim investiert

Weil die Zusammenarbeit stimmt, stellt die Sumitomo Electric Hartmetallfabrik weiter ein. Jedes Jahr wächst die Belegschaft um acht bis neun Prozent – auch in den Jahren 2018 und 2019. Jährlich beginnen drei junge Leute ihre Ausbildung zum Zerspanungsmechaniker Fachrichtung „Schleiftechnik“ in dem Werk. Bei Aktionen wie der Ausbildungsmesse Lauchheim präsentiert sich das Unternehmen den Berufsinteressenten, unter denen immer mehr Mädchen Interesse zeigen: Auch im Werk selbst ist der Anteil der Frauen vergleichsweise hoch. Man setze im hohen Maße auf selbst ausgebildete Mitarbeiter. Fachkräfte als Einsteiger seien natürlich willkommen, betont Personalreferent Paul Schmid.

Im Produktspektrum befinden sich Zerspanwerkzeuge für den Bohr-, Fräs-, und Drehprozess. In den vergangenen Jahren hat das Lauchheimer Werk durch Wachstum für positive Schlagzeilen gesorgt. 2012 gab es den ersten Spatenstich als Start für mehrere große Baumaßnahmen. Seitdem sind ein Entwicklungs- und Schulungszentrum, ein Parkplatz sowie ein zweistöckiges Produktions- und Verwaltungsgebäude entstanden. Zehn Millionen Euro hat das Unternehmen nach eigenen Angaben in dieser Zeit in Gebäude und Infrastruktur investiert. Der Lauchheimer Werkzeughersteller besitzt ein Tochterwerk im tschechischen Jihlava, wo derzeit mehr als 40 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Internationalität sei auch deshalb Trumpf, weil die Lauchheimer Zugriff auf das weltweite Netzwerk von Sumitomo Electric Hartmetall haben. Unter der Kapfenburg ist Europas einziger Standort für die Herstellung von Zerspanungswerkzeugen. Hans Metzdorf beschreibt, worum es dem Unternehmen geht: „Zielrichtung ist es, den europäischen Kunden eine Unterstützung, eine Entwicklung und eine Produktion in der Nähe zu bieten – und dies mit auf den Einsatzfall ausgerichteten Spezialwerkzeugen.“ Geliefert wird von Lauchheim aber auch an internationale Kunden und Tochterwerke der deutschen Zulieferer, Autohersteller und Maschinenbauer weltweit.

© Wirtschaft Regional 08.08.2018 18:45
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