Vorteil Berndt-Ulrich und Oliver Scholz?

Gerichtsverhandlung Im Zivilstreit von 166 Gläubigern der Scholz-Anleihe spricht Anwalt Schirp von „keinem guten Termin“.

Ellwangen/Essingen. Dr. Wolfgang Schirp machte aus seiner schlechten Laune kein Hehl: „Das war kein guter Termin für uns, die Richterinnen bewerten die Sachlage offenbar anders als wir“, sagte der Rechtsanwalt der Berliner Kanzlei Schirp, Neusel & Partner dieser Zeitung. Am Donnerstag war vor der 4. Kammer der Zivilabteilung des Landgerichts Ellwangen im Gebäude Marktplatz 7 die erste Anhörungsrunde in einem Zivilrechtsstreit, der bundesweit auf großes Interesse stößt. 166 von der Berliner Kanzlei vertretenen Anleger, die zusammen vor sechs Jahren 10,8 Millionen Euro in die Scholz-Anleihe investierten, hatten eine Sammelklage gegen die Essinger Scholz Holding und deren Chefs Berndt-Ulrich und Oliver Scholz eingereicht. Der Vorwurf: Betrugs und Kapitalanlagebetrug.

Wie mehrfach berichtet, hatte die Scholz Holding in den Jahren 2012 und 2013 eine Anleihe nach österreichischem Recht in Höhe von insgesamt 182,5 Millionen Euro platziert. Der versprochene Zinssatz von 8,5 Prozent pro Jahr war verlockend, auch für viele Kleinanleger aus der Region.

Das bittere Ende ist bekannt: Im Zuge der Sanierung des mit über einer Milliade Euro hoch verschuldeten Essinger Recycling-Konzerns, der mittlerweile vollständig in der Hand der chinesischen CHIHO Environmental Group ist, verloren die Anleihegläubiger aufgrund eines Wiener Kuratelverfahrens im Jahre 2016 bis auf magere 8,768 Prozent ihrer Anleihesummen. Bei dem Landgerichts-Termin in Ellwangen am Donnerstag ging es aber um die Zeit vor und bei der der Emission der Anleihe.

Der Vorwurf der geschädigten Anleger lautet: Damals sollen Berndt-Ulrich und Oliver Scholz im Anleihe-Prospekt falsche Angaben gemacht und den schlechten Zustand des Unternehmens verschwiegen haben.

Dies dementierten am Donnerstag die Anwälte der Scholz Holding sowie die von Berndt-Ulrich Scholz und Oliver Scholz, der im Gegensatz zu seinem Vater vor Gericht erschienen war. „Unsere Aufgabe war es, ob die von den Klägern vorgebrachten Anschuldigungen stimmen und ob tatsächlich im Prospekt relevante Informationen für einen Kaufentscheid fehlten“, teilte Kathrin Legner auf Anfrage mit. Die Richterin ist Beisitzerin der 4. Zivilkammer und führte die Befragung der Parteien zusammen mit der Vorsitzenden Richterin Dr. Katja Langneff und der Stellvertretenden Vorsitzenden Ursula Grimm-Hanke durch. Am 25. Oktober 2018 werden die Richterinnen ihre Entscheidung verkünden. Die Kammer ist zuständig für Rechtsstreitigkeiten aus Bank und Finanzgeschäften und aus Kapitalanlagen und -vermittlungen sowie für Zivilsachen nach besonderen Zuteilungsverfahren.

„Wir werden jetzt nochmals argumentativ nachlegen und für unsere Mandanten kämpfen“, kündigte Rechtsanwalt Dr. Wolfgang Schirp an.

© Wirtschaft Regional 02.08.2018 19:10
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