Zurück auf Wachstumskurs

Automotive-Branche Umsatz rauf, Prognose runter: Die SHW AG wächst wieder - allerdings nicht so schnell wie geplant. Das sind die Gründe.
  • Blick in die Produktion: Beim Kalibrieren erhalten die einbaufertigen Bauteile die Präzision, die ist hauptsächlich in der Automobilindustrie gefragt. Foto: SHW AG

Aalen

Noch vor einigen Wochen hat der Automobilzulieferer SHW AG seine Umsatzziele für das laufende Jahr korrigiert. Er wird weniger Erlöse erwirtschaften als geplant. Die gute Nachricht: Nichtsdestotrotz ist das Unternehmen wieder zurück auf dem Wachstumspfad. „Im ersten Halbjahr 2018 haben wir den Umsatz erstmals seit 2015 wieder steigern können“, berichtet der neue Vorstandschef Wolfgang Plasser. Die Erlöse stiegen um 8,7 Prozent auf 220,3 Millionen Euro. Allerdings hat die AG auch mit ein paar Problemen kämpfen.

Den Großteil seines Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen mit dem Geschäftsbereich Pumpen und Motorkomponenten. Zwar ist der Umsatz der Sparte um 10 auf 165,3 Millionen Euro gestiegen, doch ausgerechnet das so wichtige Geschäft mit Personenkraftwagen kränkelte, der Umsatz sank von 123,2 auf 120,1 Millionen Euro. Während die SHW in den Auslandsmärkten zulegte, gingen die Umsätze im Inland zurück. Das Unternehmen führt dies „im Wesentlichen auf rückläufige Umsätze für Dieselapplikationen sowie den geringeren Lieferanteil der SHW an der zweiten Generation einer elektrischen Getriebeölpumpe für die Start-Stopp-Funktion zurück“. Entsprechend sank auch der Gewinn: Vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen blieben unterm Strich 11,5 Millionen Euro übrig, ein sattes Minus von 6,4 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr.

Besser sieht es dagegen in den anderen Sparten aus: Die margenstarken Bereiche „Truck & Off-Highway“ und Pulvermetallurgie (in Wasseralfingen beheimatet) wuchsen deutlich im zweistelligen Prozentbereich. Die im vergangenen Jahr übernommene Tochter Lust Hybrid-Technik, mit der SHW neue Kundengruppen erschließt, erzielte einen Umsatz von 7,6 Millionen Euro. Das Geschäft mit Bremsscheiben läuft blendend: Der Absatz legte um 8,8 Prozent zu, der Umsatz gar um 16,1 Prozent auf 55 Millionen Euro.

Die operative Ergebnisentwicklung verlief plangemäß.

Wolfgang Plasser
Vorstandschef der SHW AG

„Augenmerk auf internationale Standorte“

Plasser, der im Juni auf Frank Boshoff folgte und vom neuen Hauptaktionär Stefan Pierer installiert wurde, ist mit der Entwicklung zufrieden: „Die operative Ergebnisentwicklung verlief in Summe plangemäß.“ Der Vorstandschef kündigt zudem an: „Im zweiten Halbjahr werde ich mein besonderes Augenmerk auf den An- und Hochlauf neuer Projekte an unseren internationalen Standorten legen.“ Die AG hatte unter Boshoff die Internationalisierung forciert, dennoch hakt es an manchen Stellen: Im ersten Halbjahr blieben Umsatz und Ertrag der chinesischen Tochter „hinter den Erwartungen zurück“. Die Aalener begründen dies mit einer „flacheren Anlaufkurve eines Projekts in China“.

Das ist auch ein Grund, weshalb Plasser die Umsatzprognose für 2018 vor Wochen nach unten korrigierte. Zudem erwarte man aufgrund einer schwächeren Nachfrage nach Dieselfahrzeugen sowie der Umstellung auf den neuen Abgastestzyklus WLTP einen Umsatz von 420 bis 440 Millionen Euro. Das neue Prüfverfahren, das ab dem 1. September für alle Fahrzeuge gilt, soll sich stärker am wirklichen Fahrverhalten orientieren als ältere Messmethoden.

© Wirtschaft Regional 27.07.2018 14:49
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