Großes Interesse an Binz

Insolvenz Strategische und Finanzinvestoren wollen beim Lorcher Sonderfahrzeugbauer einsteigen. Auftragslage gut – auch Putin bestellte Spezialfahrzeuge.
  • Investoren stehen beim Lorcher Sonderfahrzeugsteller Binz Schlange. Die Nachfrage ist groß. Zum Beispiel nach innovativen Bestattungsfahrzeugen auf Basis des Tesla Model S. Foto: Binz

Lorch

Im Insolvenzfall des Lorcher Sonderfahrzeugbauers Binz GmbH & Co. KG und deren 100-Prozent-Tochtergesellschaft CB Composit GmbH (CBC) besteht ein großes Interesse zur Übernahme. Wie ein Sprecher des vom Amtsgericht Ulm zum vorläufigen Insolvenzverwalters bestellten Stuttgarter Rechtsanwalts Rüdiger Weiß dieser Zeitung bestätigte, liegen konkrete Nachfragen sowohl von inländischen und internationalen Finanzinvestoren als auch von strategischen Investoren aus dem Automotive-Bereich vor. Spekuliert wird über Interessenten aus England, den USA und China. Nicht bekannt ist, ob auch die Binz Ambulance- und Umwelttechnik GmbH in Illmenau darunter ist. Diese wurde 1991 als Ableger von Binz gegründet, ist aber heute mit den Lorchern nicht mehr verbunden und gehört dem thailändischen RMA-Konzern.

Die Anfragen bestätigten damit Rüdiger Weiß in seiner Einschätzung über Binz, die er unmittelbar nach der Insolvenzantragsstellung getroffen hatte: „Binz ist vom Portfolio her gut aufgestellt, das Know-how und die Motivation der 66 Mitarbeiter sind hoch“.

Binz ist Zulieferer der Automobilindustrie und eigner Fahrzeughersteller. Das Spektrum umfasst die Produktion von Karosserien und Bauteilen, Lackierungen, die Montage und Qualitätskontrolle. Für seine Auftraggeber entwickelt und baut Binz auf Basis der Mercedes-E-Klasse und inzwischen auch für Tesla-Modelle Bestattungs- und Behördenfahrzeuge, verlängerte Limousinen, Spezial- und Sonderfahrzeuge; außerdem werden Fahrzeuge veredelt und Schnittmodelle für Prototypen gebaut.

Thomas Fiedler, der Betriebsratsvorsitzende von Binz, hatte versichert, „dass die Auftragsbücher gut gefüllt sind.“ Auch mit Orders aus Australien. Zu erfahren war ferner, dass unter anderem auch der russische Staatspräsident Wladimir Wladimirowitsch Putin sechs Spezialfahrzeuge für seine Leibgarde bei den Lorchern bestellt habe.

Binz ist vom Portfolio her gut aufgestellt.

Rüdiger Weiß
Insolvenzverwalter

Weil Binz aber in neue Produktionsanlagen für die Aufträge wie den verlängerten Mercedes-Kombi und vor allem für das neue Tesla-Bestattungsfahrzeug rund zehn Millionen Euro investierte, sich aber wegen der langen Produktionszeit der Kapitalrückfluss verzögerte und der Binz-Eigner Ed van Dijk von der niederländische Private-Equity-Gesellschaft Nimbus kein frisches Geld nachschoß, rutschte Binz in einen Liquiditätsengpass. Erschwerend kam hinzu, dass deshalb Binz von seinen Lieferanten nur zögerlich oder gegen Vorauskasse mit Material versorgt wurde. Dieser Teufelskreis zwang Geschäftsführer Thomas Amm dazu, die Insolvenzeröffnung zu beantragen.

Rüdiger Weiß ist es in den vergangenen Wochen gelungen, die Lieferanten wieder ins Boot zu holen, der Material-Nachschub ist nicht mehr blockiert. „Die Produktion läuft wieder voll, bisweilen aber noch schleppend“, sagt Thomas Fiedler zur aktuellen Lage.

Die Entscheidung, wer von den interessierten Investoren den Zuschlag bekommt, falle erst nach den Sommerferien, erklärte der Sprecher des Insolvenzverwalters. Der mergers & acquisitions-Prozess laufe jetzt an. Erst würden die potentiellen Investoren die ihnen vorliegenden Zahlen einer Due Diligence-Prüfung unterziehen und danach ihre Angebote einreichen. Diese werden dann der Gläubigerversammlung zur Entscheidung vorgelegt werden. Bis dahin wird auch die IG Metall ihre Vorstellungen bezüglich der Lohngestaltung für die Beschäftigten formulieren. Dieser Tage wird über die Auszahlung des an sich fälligen Urlaubsgeldes verhandelt.

„Wir glauben fest daran, den Insolvenzfall Binz für alle Beteiligten positiv abschließen zu können“, sagte der Weiß-Sprecher. Das gilt auch für die insolvente CBC, die quasi die verlängerte Werkbank von Binz ist.

© Wirtschaft Regional 20.07.2018 18:45
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