Investor steigt bei I Live ein

Zukunftsforum Im Zeiss-Forum Oberkochen stehen beim Aalener Immobilienentwickler die großen Themen Wohnen, Städtebau und Zusammenleben im Fokus – aber auch die Zukunft der Firma.
  • Diskussionen beim Zukunftsforum.
  • Amos Engelhardt (links) und Martin Kraft von I Live.
  • Trendforscher und Hauptredner Matthias Horx lobte I Live mit seinen Projekten als „Katalysator“ für einen neuen Urbanismus. Fotos: Peter Hageneder

Oberkochen

Ein namhaftes Unternehmen der Branche steigt beim Aalener Immobilienentwickler ILive ein und wird 26 Prozent der Anteile übernehmen. Das teilte Firmenchef Amos Engelhardt am Donnerstag am Rande des Zukunftsforums von I Live im Zeiss-Forum Oberkochen mit. Mit hochkarätigen Referenten und viel Atmosphäre ging es vor 250 Gästen aber nicht nur um die Zukunft des Unternehmens, sondern vor allem um Prognosen für die großen Themen Wohnen, Städtebau und Zusammenleben.

I Live ist eigenen Angaben zufolge Marktführer im Bereich Mikrowohnen in Deutschland und hat hier 15 Bau- und Wohnprojekte in Betrieb, neun in Bau und zwölf in der Entwicklung. Der neue Partner, den Engelhardt nicht namentlich nennen wollte, soll dem Unternehmen zu weiterem Wachstum verhelfen: Der Investor stärke die Kapitaldecke, verfüge über beste Kontakte und halte „riesige Grundstücksareale“ in deutschen Großstädten – also genau dort, wo I Live zulegen will. Die Minderheitsbeteiligung sichert den Aalenern zudem die Kontrolle über die eigene Strategie.

Die vor sieben Jahren gegründete Firma wächst in der Tat rasant: In den vergangenen zwölf Monaten haben die Aalener 68 Mitarbeiter eingestellt, so Engelhardt. I Live baut nicht nur Wohnungen, sondern betreibt und betreut die Standorte: teils mit witzigen Konzepten wie Hühnerställen, die zur Wohnanlage gehören – und den Bewohnern nicht nur frische Eier, sondern auch Kontakt mit der Natur und untereinander ermöglichen. So richtet sich I Live an junge Digital Natives, neuerdings aber auch an aktive Über-55-Jährige.

Wir brauchen einen neuen Urbanismus.

Matthias Horx
Zunkunftsforscher

„Eine der innovativsten Firmen in dieser Branche“, die eine „fulminante Entwicklung auf den Weg gebracht“ habe, nannte Landrat Klaus Pavel I Live während des Zukunftsforums. Franz Donner, Personalchef der Zeiss AG, lobte die Innovation als „Schlüssel zum Erfolg“. Die höchste Ehre aber kam vom Frankfurter Trendforscher und Hauptredner Matthias Horx: „Wir brauchen einen neuen Urbanismus, und die Projekte von I Live sind der Katalysator in diesem Prozess“, erklärte der Wissenschaftler, der Visionen von städtischen Zusammenleben in der Zukunft ausbreitete. Anstelle von Spaltung und Zersiedelung werde es künftig in immer größer werdenden Städten auf eine Renaissance der ganzheitlichen Lebensform hinauslaufen. Wohnen, Arbeiten, Handel, Kindererziehung werden zusammengeführt – so wie es einst in der mittelalterlichen Stadt war. Es gelte, das Grün in die Städte zurückzuholen und „die Raumarroganz des Automobils“ zu beenden.

Erstmals gemeinsam auf einer Bühne mit seinem Vater stand der 24-jährige Zukunftsforscher Tristan Horx. Er sprach über seine Altersgenossen der „Generation Global“. Sein Fazit: „Früher wurden Menschen in die Gemeinschaft geboren und mussten ihre Identität finden. Heute werden sie als Individuen geboren und müssen die Gemeinschaft finden.“ Das Zukunftsforum hatte I Live unter das Motto „Köln“ gestellt: Dort eröffnet I Live bald ein Gebäude mit 300 Mikroapartments, ein Turm mit 700 Wohneinheiten ist in Planung. So gab es für die Gäste Kölsch zu trinken, die Karnevals-Rockband Cat Ballou spielte auf und ein Plastik-Geißbock – Maskottchen des 1. FC – stand auf der Bühne. Karnevals-Urgestein Lukas Wachten vom WDR moderierte und hielt einen Vortrag über die Urform des Networkings, den „Kölschen Klüngel“, den er mit den Worten Konrad Adenauers umschrieb: „Man kennt sich und man hilft sich.“

© Wirtschaft Regional 21.06.2018 17:31
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