„Fühle mich gut, wenn ich mutig bin“

Die BMW-Großaktionärin investiert in Start-ups und erzählt, welche Erfahrungen sie damit macht.
  • Susanne Klatten, Deutschlands reichste Frau, tritt in der Öffentlichkeit selten auf. Foto: Matthias Balk/dpa
Das Unternehmertum ist viel schnelllebiger und kurzfristiger geworden. Gründer von Start-ups sehnen sich nach dem „schnellen Exit“, dem kurzfristigen Erfolg, um nach wenigen Jahren ihre Firma zu verkaufen. „Hoffentlich investieren sie es in Neues“, sagt Susanne Klatten. Die Unternehmerin besitzt viel Erfahrung auf diesem Gebiet: Sie hat in München mit der Technischen Universität ein Investitions- und Gründerzentrum eingerichtet, wie es einzigartig in Deutschland ist. Bekanntestes Erfolgsergebnis: die Fernbus-Firma Flixbus, die längst auf eigenen Füßen steht.

Am nötigen Kapital herrscht kein Mangel: Klatten gilt als reichste Frau Deutschlands, auch wenn sie dieses Etikett nicht mag. Denn sie hat zwar zusammen mit ihrem Bruder Stefan das Riesenvermögen ihres Vaters Herbert Quandt und ihrer Mutter Johanna geerbt, darunter fast die Hälfte der Aktien des BMW-Konzerns. Sie hat aber auch selbst vieles auf die Beine gestellt. Das Licht der Öffentlichkeit meidet die studierte Betriebswirtin meist. Für die Stiftung Familienunternehmen machte sie in Berlin eine Ausnahme.

Die 56-Jährige tritt ebenso bescheiden wie bestimmt auf. „Ich fühle mich gut, wenn ich mutig sein darf“, sagt sie von sich selbst. Die Möglichkeit, ihren „eigenen Fingerabdruck“ zu hinterlassen, bekam sie, als der Altana-Konzern seine Pharma-Sparte verkaufte. Die Milliarden, die das brachte, steckte sie nicht nur in den Werkstoff-Spezialisten SGL Carbon, den Windturbinenhersteller Nordex und andere bestehende Firmen, sondern auch in die Startrampe für Start-ups in München. Wobei sie gelernt hat, dass sie in Gesprächen mit den Beteiligten nicht alles wissen muss. „Ich bin in der wunderbaren Rolle, dass ich alles fragen darf.“ Ihre Gegenüber betrachten ihr Interesse als Kompliment.

Letztlich muss jede Generation das Unternehmertum neu erfinden. Sie habe sich von ihrem Vater losgelöst, als sie nach ihren eigenen Vorstellungen investiert habe in einem Umfeld, das er nicht nicht kennen konnte.

Da liegt die Frage der Unternehmensnachfolge nahe, „ein extrem wichtiges Thema“, gibt die dreifache Mutter zu. Wie sie selbst damit umgeht, sagt Klatten nicht direkt. Aber sie deutet an: Jede Generation macht es anders, hat aber auch andere Ansprüche an Lebensqualität. 130 Prozent Einsatz will nicht jeder bringen. „Man solle es nicht für die Kinder machen“, legt sie den anderen Familienunternehmern ans Herz. „Es muss selbst Freude machen.“ Dieter Keller
© Südwest Presse 09.06.2018 07:45
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