Neuer Investor, große Ziele

Übernahme Mit der englischen Element Materials Technology hat das Vohtec einen neuen Besitzer gefunden, der mit dem Aalener Prüftechnik-Unternehmen noch einiges vorhat.
  • Bleiben auch nach der Übernahme Geschäftsführer bei Vohtec; Mitgründer Roland Vogt (rechts) und Gernot Kolb. Foto: Robert Schwarz

Aalen

Ärger im Formel-Eins-Rennstall bedeutet Arbeit für die Aalener Vohtec Qualitätssicherung GmbH: Weil unlängst ein Bolide im Rennen ausfiel, schob das Spezialunternehmen für Werkstoffprüfung das betroffene Autobauteil in ihre Röntgengeräte. Seit einigen Tagen hat das 1997 gegründete Unternehmen einen neuen Eigentümer. Der englische Materialprüfungs-Spezialist Element Materials Technology übernahm 100 Prozent an Vohtec.

Bislang hatte die Frankfurter VR Equitypartner 74,3 Prozent am Unternehmen gehalten, die sie 2013 von Firmengründer Roland Vogt übernommen hatte. „Für uns und unsere 360 Mitarbeiter ist es wichtig, dass es sich bei Element nicht um einen Finanzinvestor, sondern um einen strategischen Investor handelt“, betont Roland Vogt, der genauso wie Gernot Kolb auch nach dem Einstieg der Briten Geschäftsführer bei Vohtec bleibt. Wie die Aalener widmet sich Element der Werkstoffprüfung, allerdings mit weltweit 6200 Mitarbeitern in weit größerem Stil.

Die Gruppe mit Sitz in London unterhält 200 Labore in 33 Ländern und prüft Werkstoffe unter anderem in den Bereichen Luft- und Raumfahrt sowie Öl- und Gasförderung. In Deutschland ist sie bislang an zehn Standorten vertreten. „Weil Element in der Automobilbranche in den USA gut aufgestellt, aber in Kontinentaleuropa bisher kaum vertreten ist, kam das Unternehmen Anfang Januar auf uns zu“, berichtet Roland Vogt. Nach mehreren Besuchen habe sich im Hause Element herauskristallisiert: Vohtec ist die ideale Investition auf dem Weg, der Prüfdienstleister Nummer Eins weltweit zu werden.

Doch auch die Aalener wollen von der Konzern-Zugehörigkeit profitieren. „Element verfügt über ein globales Netzwerk, von dem wir uns einiges versprechen“, so Kolb. Vogt ergänzt: „Wir wollen nicht auf der Stelle treten und weiter wachsen.“ Nicht nur das Ausland hat Vohtec im Visier, auch vom Heimatmarkt versprechen sich Kolb und Vogt einiges. „Gerade in Deutschland sehen wir noch viel Potenzial.“

Bleibt der Name Vohtec nach der Übernahme erhalten?

Wir wollen nicht auf der Stelle treten.

Roland Vogt
Geschäftsführer von Vohtec

Bereits unter dem vorherigen Eigentümer war Vohtec auf strammem Wachstumskurs. Seit der Übernahme 2013 sei der Umsatz von gut elf auf rund 22 Millionen Euro im Jahr 2017 gestiegen, erklärt Vogt. Für die Zukunft peilt er ein jährliches Wachstum von knapp fünf Prozent an. Was die aktuelle Expansion bremse, sei eher der Fachkräftemangel im Bereich Prüftechnik denn eine schwache Nachfrage.

Sowohl der alte Mehrheitseigentümer als auch die beiden Geschäftsführer stimmten dem Verkauf zu, der noch von den Kartellbehörden geprüft werden muss und laut Vogt bis Juli perfekt sein könnte. Auch Vogt und Kolb gaben ihre jeweiligen Firmenanteile ab und sind nun als Aktionäre an Element beteiligt.

In jedem Fall soll das Unternehmen, das alleine in Aalen 250 Mitarbeiter beschäftigt, operativ eigenständig bleiben. Ob Vohtec allerdings seinen Firmennamen behält, wissen die Geschäftsführer noch nicht. „Das wird sich in den kommenden vier Wochen klären“, so Vogt. Neben Aalen betreibt Vohtec Standorte in Altbach und Garching bei München. „Rund 60 Prozent unserer Aufträge sind feste, regelmäßige Prüfungen“, sagt Vogt – der Rest sind akute „Feuerwehreinsätze“, wie beim Formel-Eins-Wagen, so der Geschäftsführer. Große Kunden sind unter anderem die Autobauer VW, Daimler, BMW und Porsche sowie die Zulieferer Bosch und Mahle im Stuttgarter Raum sowie Kessler & Co., SHW und GSA in der Region.

Der Vertrieb bei Vohtec soll eigenständig bleiben, während die Engländer künftig bei Management und Controlling mitreden. Natürlich wollen Element und Vohtec Synergien finden. Ein Beispiel: „Wir haben einen Kunden, der seit langem den Wunsch hat, Prüflabore in den USA zu nutzen – das kann er nun mit den Laboren von Element“, erzählt Vogt. Andererseits habe Vohtec einiges zu bieten, was es bisher in der Element-Gruppe nicht gebe: etwa die Werkstoffprüfung per Computertomographie oder die industrielle Prüfanlage in Altbach, in der auf 6000 Quadratmetern 10.000 Bauteile täglich unter die Lupe genommen werden.

© Wirtschaft Regional 05.06.2018 18:27
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