Kiener nutzt die Chancen

Industrie 4.0 Nicht nur die Autohersteller befinden sich im Wandel. Mit den neuen Technologien ergeben sich auch für die Zulieferer neue Herausforderungen. Die Kiener-Firmengruppe profitiert davon.
  • So soll der Neubau der Kiener-Tochterfirma Lacom aussehen. Fotos: Kiener
  • Stefan Kiener, Waldemar Kiener und Jürgen Kiener.

Lauchheim

Die Autobranche befindet sich im Umbruch: Das liegt nicht nur an Dieselskandalen oder möglichen Fahrverboten. Alternative Antriebe, etwa die E-Mobilität, neue Fertigungstechnologien und die Digitalisierung im Allgemeinen treiben die Branche um. Dieser Strukturwandel betrifft nicht nur die Autobauer selbst, sondern auch deren Zulieferer. Einer von ihnen ist der Sondermaschinenbauer Kiener aus Lauchheim. Er profitiert nicht nur von den neuen Technologien, sondern wächst auch dank des Kerngeschäfts seit Jahren kräftig.

Deshalb gehen auch Bauarbeiten am Stammsitz des Familienunternehmens zügig voran. Doch die Kiener-Gruppe investiert nicht nur in Steine, sondern auch in Mitarbeiter. Inzwischen arbeiten mehr als 730 Mitarbeiter für die Maschinenbau- und Automatisierungsspezialisten –Tendenz steigend. Denn die Unternehmensgruppe ist mit ihren drei Segmenten in wachsenden Märkten unterwegs. Das spiegelt sich auch in der Betriebsleistung. Die lag, so Jürgen Kiener, im vergangenen Jahr bei mehr als 130 Millionen Euro. „Wir fühlen uns in unserer Strategie und Produktpolitik bestätigt.“

Während Kiener Anlagen für den Lenkungs-, Getriebe- und Motorenbau herstellt, hat sich die ebenfalls zur Gruppe gehörende Lacom auf Beschichtungs- und Laminieranlagen spezialisiert. Die Tochterfirma Comag wiederum ist im Bereich der Verarbeitung von Leder, Textilien und Kunstleder im Automobilinterieur tätig. Dabei hat Kiener die Zukunftsthemen fest im Blick - wie auch die Marktchancen. „Die Elektromobilität beschäftigt uns natürlich auch als Zulieferer“, erklärt Kiener.

Elektromotoren etwa benötigten neue Fertigungsmaschinen, Anoden und Kathoden müssen mit anderen Anlagen beschichtet werden und nicht zuletzt fällt dem Autoinnenraum durch die fortschreitende Digitalisierung (hin sogar zum autonomen Fahren) eine neue, ungleich wichtigere Bedeutung zu als ohnehin. „Künftig wandert viel Funktionalität in den Innenraum“, erklärt Kiener. „Auch hierfür benötigen die Hersteller neue Produktionsmaschinen.“ Heißt: Auch für die Tochter Comag sieht er Wachstumschancen.

Doch bei aller Euphorie um die neuen, alternativen Antriebe und der teils massiven Investitionen der Autobauer in die neuen Technologien: „Die Marktvolumina sind noch überschaubar“, erklärt Kiener. Heißt im Umkehrschluss: Die Ära des Verbrennungsmotors ist noch lange nicht zu Ende. Nur ein Indiz: Daimler baut ein neues Motorendieselwerk in Polen. Auch andere Autobauer investieren. Entsprechend voll sind aktuell die Auftragsbücher von Kiener.

Wir fühlen uns in unserer Strategie bestätigt.

Jürgen Kiener
Geschäftsführer

Um das Unternehmen auf eben dieses Wachstum vorzubereiten, baut Kiener seine Standorte aus. Im Fokus dabei: der Stammsitz in Lauchheim. Hier wird zunächst ein neues Gebäude für Lacom gebaut. Das Ziel für die Tochterfirma ist klar definiert: „Lacom ist Marktführer in seiner Nische – und soll es auch bleiben.“ Es ist nicht das einzige Bauvorhaben der Kieners.

Kiener baut in vier Abschnitten

„Nach diesem Bauabschnitt werden wir die mechanische Fertigung ausbauen“, erklärt Jürgen Kiener, der das Unternehmen gemeinsam mit seinem Bruder Stefan und Vater Waldemar führt. Als dritten Bauabschnitt hat Kiener dann eine neue Produktionshalle im Blick, ehe als viertes dann die Erweiterung der Büroflächen auf dem Plan steht. Allerdings sind die Neubauten kein Selbstzweck. „Unsere kaufmännische Entwicklung ist gut und nachhaltig“, erklärt Kiener. Parallel baue man auch das eigene Know-how weiter aus. „Die Dynamik im Markt ist sehr groß, entsprechend sind es unsere Marktchancen.“ Auch deshalb, weil sich Kiener in den vergangenen Jahren entsprechend breit aufgestellt hat und nun vom Aufschwung in den verschiedenen Segmenten profitiert.

Um an der Spitze zu bleiben, baue man parallel auch das eigene Know-how weiter aus und entwickle nicht nur innovative Fertigungskonzepte, sondern investiere auch in die Weiterbildung der Mitarbeiter. Denn die Anforderungen an diese steigen seit Jahren. Und werden auch mit dem digitalen Strukturwandel quer durch alle Branchen wohl nicht kleiner.

© Wirtschaft Regional 28.05.2018 17:54
2643 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?