Mehr als nur Synergien nutzen

Seit knapp drei Jahren gibt es die Hära-Plattform, zu der aktuell 700 Unternehmen gehören. Initiatoren sind die Gmünder Logistik-Unternehmer Stephan und Hans-Peter Häberle
  • Hans-Peter Häberle

Schwäbisch Gmünd. Es ist knapp fünf Jahre her, als Stephan und Hans-Peter Häberle mit einigen Mitstreitern die „Hära“-Plattform initiiert haben. Zwei Jahre später wurde die Plattform offiziell gestartet. Die Idee: Unternehmen aus verschiedenen Branchen tun sich zusammen, bündeln Ihren Einkaufsbedarf und kaufen gemeinsam ein, nutzen die Synergien die entstehen wenn sehr viele Unternehmen zusammenarbeiten um Prozesse zu vereinfachen und Prozesskosten zu optimieren und entwickeln gemeinsam Produkte und Dienstleistungen, wovon alle Beteiligten profitieren, einen nachhaltigen Nutzen haben und dabei noch Stiftungen, wie Hilfe-fuer-Nic, Visions-for-children und STAY unterstützt werden.

Heuer gehören ihr rund 700 Mitglieder an – darunter zahlreiche Unternehmen aus dem Bereich Transport und Logistik, immer mehr auch aus Industrie, Handel und Handwerk, sowohl national als auch international. Am 17. April findet nun in Schwäbisch Gmünd der erste Gesundheitskongress des Netzwerks statt – mit namhaften Referenten und zahlreichen Themen. In der Oldtimermanufaktur B26 sind unter anderem Josef Mohr und Dr. Marco von Münchhausen zu Gast (siehe unten).

"Wir brauchen Mitarbeiter, die nicht nur 'ihren Job machen'"

Mit dem ersten Gesundheitskongress beweisen die Gründer zudem, dass Hära mehr als ein formaler Zusammenschluss von Unternehmen auf der Suche nach eigenen Vorteilen und gemeinsamen Synergien ist. „Die betriebliche Gesundheit und die Motivation der Mitarbeiter sind die absoluten Kernthemen der „Zukunft“, erklärt Hans Peter Häberle. „Wir brauchen Menschen, die nicht nur ihren Job machen, sondern auch eigenverantwortlich zum Wohle des Unternehmens handeln. Die wichtigste Ressource, die ein Unternehmen hat, sind seine Mitarbeiter. Die Familie Häberle selbst beschäftigt an seinen fünf Logistik-Standorten im Gmünder Raum aktuell rund 150 Menschen. Aus eigener Erfahrung weiß Hans Peter Häberle , dass die Digitalisierung zwar ebenfalls ein Megathema ist, aber: „Die größte Herausforderung bei der Digitalisierung ist der Faktor Mensch. Ohne den geht es nämlich nicht.“ Und: Viele Unternehmen hätten bislang beim Thema Personal den Fokus zu sehr nur auf die Kosten gelegt.

Natürlich gibt es bei Hära durch Rahmenverträge günstige Einkaufsmöglichkeiten für Kraftstoffe, Reifen, und vieles mehr. „Unser Ziel ist es jedoch, die Plattform systematisch und kontinuierlich weiterzuentwickeln“, erklärt der Unternehmer. Es geht auch darum, gemeinsam Lösungen oder Dienstleistungen zu entwickeln, die ein mittelständischer Betrieb alleine nicht leisten könnte. Hära soll aber auch strategisch wirken, sagt Hans Peter Häberle, etwa beim Thema Forschung und Entwicklung. „Gerade mittelständischen Betrieben fehlt es hier häufig an Zeit, Geld und Mitarbeitern. Dort soll Hära vorangehen.“

Ein Beispiel ist die Kooperation mit dem Start-up Swoplo im Bereich Lademittel-Management: „Das betrifft viele unserer Mitglieder“. Zusammen mit einem App-Dienstleister hat die Plattform eine Lösung entwickelt, in der die Mitglieder untereinander Ladungsmittel tauschen, um die eigenen Kapazitäten so effizient wie möglich nutzen zu können und Verkehre zu vermeiden. Über die, mit dem langjährigen Freund und Geschäftspartner Heinz Hintzen entwickelte Teilladungs-Plattform PLA, werden zum Beispiel Güterströme verschiedener Unternehmen und Transportunternehmen so zusammengefasst, dass halbvolle Lkw komplettiert werden, wodurch Verkehre weiter reduziert und dadurch Ressourcen eingespart werden können. Laut Häberle entstehen in Verbindung mit dem Lademittelmanagement Swoplo nun auch europaweit physische Depots für die getauschten Ladungsmittel.

Ebenfalls in Umsetzung und so, laut Häberle, noch viel wichtiger als nur günstiger Einkauf, ist die Hära-Akademie. In der Akademie wird mit namhaften und bereits am Markt etaplierten Partnern ein innovatives Konzept angeboten. Hierbei geht es zum Beispiel um neu entwickelte Lösungen zu den Themen Gestaltung neuer sinnstiftender Formen der Zusammenarbeit, Personal-Findung, -bindung und -motivation. „Das ist das Ergebnis vieler Gespräche mit unseren Mitgliedsunternehmen“, sagt Häberle. „Das Thema treibt die Firmen um.“ Deshalb sollen den Mitgliedern auch in diesem Bereich Best Practice-Lösungen vorgestellt werden, sie können spezielle von Hära mit den Partnern entwickelte Schulungsangebote nutzen und erhalten die Möglichkeit, das Thema Organisationsentwicklung im eigenen Unternehmen anzugehen.

Der Gesundheitskongress von Hära

Alle Welt spricht von Industrie 4.0 und Digitalisierung, der Hära-Gesundheitskongress in der Schwäbisch Gmünder Oldtimermanufaktur beschäftigt sich stattdessen mit dem Thema „Change“ und Gesundheit 4.0. – Der wichtigste Faktor für nachhaltigen Unternehmenserfolg: der vollkommen körperlich, mental und seelisch gesunde, intrinsisch motivierte Mitarbeiter“. Hinter dem sperrigen Titel verbirgt sich eine hochkarätig besetzte Veranstaltung.
Los geht es am 17. April bereits um 9 Uhr. Nach Vorträgen von Prof. Dr. Volker Nürnberg, Josef Perisa und Bernhard Schindler folgt zur Mittagszeit eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus Wirtschaft und Politik, darunter etwa Gmünds Erstem Bürgermeister Dr. Joachim Bläse. Nachmittags sind dann die Key-Note-Speaker an der Reihe. Dr. Marco von Münchhauen erklärt, wie man seinen inneren Schweinehund überwindet, danach folgt Josef Mohr, einer der bekanntesten Gesundheitsreferenten Deutschlands sowie der Wirtschaftsethiker und TV-Moderator Prof. Dr. Thomas Schwartz. Weitere Infos unter www.haera.events

 

© Wirtschaft Regional 26.03.2018 16:40
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