Kommentar Thomas Veitinger zur Vorabprüfung von Google-Inhalten

Unschöne Seiten

Suchmaschinen
  • Autorenfoto Foto: Volkmar Könnecke
Ob die Richter am Bundesgerichtshof googeln? Vermutlich. Dann wissen sie, was eine Vorabprüfung von Inhalten für die Suchmaschine bedeutet hätte: ihr Aus in Deutschland. Google durchsucht Milliarden von Webseiten – täglich. Eine Vorabkontrolle ist schlicht unmöglich.

Vor allem auch nicht sinnvoll, wie das neue Löschgesetz bei Facebook und Twitter zeigt. Die beiden Anbieter bannen legale Inhalte und Meinungsäußerungen und lassen andererseits Extremes und völlig Inakzeptables stehen. Sie sind schlicht überfordert. Dies soll kein Freibrief für die Beschimpfungen sein, die das klagende Paar erleben musste. Andererseits dürfen Rufschädigungen weniger nicht die freie Meinungsäußerung und das Recht auf Information und Kommunikation aller beschneiden.

Was Google und andere soziale Medien aber auf jeden Fall machen müssen, ist, auf Hinweise zu inakzeptablen Inhalten schneller zu reagieren. Da ist viel Luft nach oben, wie etwa Ankündigungen illegaler Taten zeigen, die zwar der Polizei gemeldet werden, aber viel zu lange online zu finden sind.

Über eines sollte man sich jedoch klar sein: Was im Netz ist, bleibt auch im Netz. Es wird nur zunächst nicht mehr gefunden, kann aber auf anderen Plattformen, Anbietern und Suchmaschinen erneut auftauchen – eine der unschönen Seiten des Internet.
© Südwest Presse 28.02.2018 07:45
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