Die Rückkehr der Bulldogge

Spielwarenmesse Die Digitalisierung erobert die Kinderzimmer. Doch in der Spielzeugwelt ist auch Platz für klassisches Spielzeug – und einen alten Bekannten. Ein Besuch bei den Firmen aus dem Ostalbkreis.
  • Holger Mayr und Carla Schwarz präsentieren in Nürnberg für den Samariterstift Spielzeug der Marke Naseweiss. Fotos: rs
  • Bullyland-Chef Holger Schmitz.
  • Der Schleich-Stand in der Messe Nürnberg. Foto: Schleich

Nürnberg/Ostalbkreis

Ein Stab, ein Softball und eine Schnur. Mehr braucht es nicht um „Tetherball“ zu spielen. Dabei versuchen zwei Spieler gegeneinander Ball und Schnur um den Stab zu wickeln. Wer er es als Erster schafft, hat die Runde gewonnen. Das Spiel ist im Freien vor allem auf US-amerikanischen Spielplätzen zu finden - die Miniaturausgabe für drinnen präsentiert Naseweiss in diesem Jahr während der Spielwarenmesse in Nürnberg, die am Sonntag zu Ende gegangen ist.

Unter der Marke Naseweiss verkauft der Samariterstift aus Neresheim mit Standorten in Aalen und Bopingen die Produkte, die im Ostalbkreis von Menschen mit Behinderungen gefertigt werden. „Wir sind seit mehr als zehn in Nürnberg auf der Spielwarenmesse vertreten und wollen jedes Jahr ein neues Produkt präsentieren“, erklärt Werkstattleiter Holger Mayr im Gespräch.

Der gemeinnützige Samariterstift ist natürlich nicht das einzige Unternehmen aus dem Ostalbkreis, das in Nürnberg bei der weltgrößten Spielwarenmesse Flagge gezeigt hat. Neben dem größten Spielzeughersteller des Kreises, Schleich, war natürlich auch Bullyland vertreten. Und das mit völlig neuem Konzept, neuen Marken – und einer neuen Geschäftsführung. Im vergangenen Frühjahr hatte nämlich der Investor Konsens die Firma übernommen und will das Spraitbacher Unternehmen mit neuen Ideen zu Wachstum verhelfen. Die beiden Gesellschafter mischen auch operativ kräftig mit.

Der „Bully“ ist zurück

Holger Schmitz fungiert als neuer CEO und wird dabei von Stephan Brunke unterstützt. „Bullyland ist eine bekannte Marke in der Spielzeugwelt. Wir wollen diesem Traditionsunternehmen aber wieder neuen Schwung verleihen und wachsen. Das zeigt sich auch an unserem Messestand.“ An konkrete Zahlen knüpft Schmitz die Ziele nicht. Auf jeden Fall haben er und Brunke ein komplett neues Führungsteam um sich versammelt. Vera Erhard stieß zum Marketing-Team, Bernd Lukoschek ist neuer Leiter der Logistik und des Einkaufs und Michael Vesterlund verantwortet den internationalen Vertrieb.

Auf der Messe stehen indes die neuen Spielzeuge im Mittelpunkt – und ein alter Bekannter. Von der Raupe Nimmersatt wird es im Lauf des Jahres ebenso neue Figuren geben wie von Pettersson und Findus. Hinzu kommen die bekannten Disney-Lizenzen sowie eine neue, von Bullyland selbst entwickelte Spielwelt, die kontinuierlich ausgebaut werden soll. „Bully“, der Bulldogge von Gründer Volkmar Klaus nachempfunden, war jahrelang das Markenzeichen des Unternehmens. Ehe der Hund Schmitz’ Vorgängern nicht mehr modern genug war. Er feiert auf der Messe sein Comeback und ziert nicht nur das Logo der Firma am Stand prominent. Das Herz von Bullyland soll weiter in Spraitbach schlagen, wo das Unternehmen rund 50 Mitarbeiter beschäftigt, erklärt Schmitz.

Wir wollen Bullyland neuen Schwung geben.

Holger Schmitz
Neuer CEO von Bullyland

Die Marke Vinco verschwindet

Änderungen stehen auch bei Vinco Educational ins Haus, wie Verkaufsdirektor Michael Warneke erklärt. Das ehemals belgische Unternehmen, das vor knapp 15 Jahren von der Ellwanger Betzold-Gruppe übernommen wurde, steht noch immer für Lernspielzeug der höheren Qualitätskategorie. Doch der Name Vinco wird bald verschwinden. „Wir integrieren das Sortiment in die Marke Betzold.“ Aktuell firmiert der Messestand unter doppelten Markennamen Vinco Betzold. „Damit bereiten wir unsere Kunden langsam auf den Namenswechsel vor.“

Für Aufsehen sorgte das Unternehmen ein Jahr zuvor mit selbst, also am Standort in Ellwangen, produziertem Kunststoff-Spielzeug. Zur Erinnerung: Betzold hatte einen Teil der Produktion nach Ellwangen geholt, weil dank der fortgeschrittenen Automatisierung die Fertigung in Deutschland nicht teurer istals in Fernost. „Dieses Portfolio haben wir nochmals ausgebaut“, erklärt Warneke. „Das stößt bei unseren nationalen wie internationalen Kunden noch immer auf großes Interesse.“

Auch der größte Spielzeughersteller der Region, die Herliköfer Schleich-Gruppe, präsentierte viele Neuheiten, mit denen man weiterwachsen will. Nur zwei Tage vor Messeauftakt hatte Schleich die Umsatzzahlen des vergangenen Jahres kommuniziert (wir berichteten). „Die Messe ist eine wichtige Kommunikationsplattform geworden, die es den Unternehmen ermöglicht, sowohl Rück- als auch Ausblick auf das kommende Jahr direkt mit den Kunden auf der Ausstellungsfläche zu besprechen“, so Schleich-CEO Dirk Engehausen. „Bei unserem diesjährigen Messeauftritt stehen die Spielewelten „Horse Club“ und die Bauernhofwelt „Farm World“ im Fokus. Außerdem haben wir die Fantasielinie „Eldrador Creatures“ relanciert.“

Zum zweiten Mal in Nürnberg vertreten war die Aalener S-Idee, hinter der Steffen Stäbler steckt – und der auch in diesem Jahr wieder Dutzende ferngesteuerter Fahrzeuge im Gepäck hatte.

© Wirtschaft Regional 07.02.2018 20:35
4049 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?