Zillert rechnet mit weiterem Rückgang

Arbeitsmarkt Das Jahr 2017 wird in die Annalen eingehen: Zum Ende des Jahres lag die Arbeitslosenquote auf Rekordtief. Noch nie waren so viele Menschen wie derzeit in der Region beschäftigt.

Aalen

Das Jahr 2017 geht als erfolgreicher Abschnitt bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in der Region ein. Ein Rekord-Rückgang der Arbeitslosen um 16,4 Prozent zum Jahresende hebt Ostwürttemberg im Landesvergleich deutlich hervor. „Bei der Zahl der sozialversicherungspflichtigen Jobs wurde mit 173.867 ein Allzeithoch erreicht. In den vergangenen zehn Jahren wurden hier fast 22.000 neue Stellen geschaffen, davon allein 3351 im vergangenen Jahr“, bilanziert Elmar Zillert, Chef der Aalener Arbeitsagentur.

Doch damit lässt es der Agenturchef nicht bewenden. Es herrsche weiterhin eine hohe Nachfrage nach qualifizierten Bewerbern. Rund 29.000 neue Arbeitslos-Meldungen im Jahr 2017 verdeutlichten die Dynamik auf dem regionalen Arbeitsmarkt. „Uns wird es trotz niedriger Arbeitslosenquote nicht langweilig. Die Vermittlung muss individueller werden. Unsere Vermittler werden zu Coaches“, sagt Zillert. Er verschweigt aber nicht, dass sich sein Personal um sechs auf insgesamt 248 Mitarbeiter reduziert hat – davon arbeiten in Schwäbisch Gmünd jedoch rund 50 Beschäftigte für zentrale Dienste der Bundesagentur. Und: Er verschweigt auch nicht, dass die Agentur zunehmend mit strukturellen Problemen zu kämpfen hat. Die Bewerber auf Stellen passen immer häufiger nicht zum Anforderungsprofil eines Jobs. Weiterbildung und Qualifizierung haben somit Hochkonjunktur – sowohl bei den Betrieben wie auch bei der Arbeitsagentur.

Lob für Betriebe

Elmar Zillert lobt zudem die hohe Ausbildungsbereitschaft der Betriebe in der Region. Die Zahl der angebotenen Stellen sei 2017 nochmals um 5,8 Prozent auf 4224 hochgeschnellt, während die Bewerberzahl leicht um 50 auf 3315 zurückgegangen war. „Wir haben 2017 über 27 Prozent mehr Stellen gehabt als Bewerber. Im Ostalbkreis waren es sogar 32 Prozent, in der Raumschaft Ellwangen sogar über 40 Prozent“, attestiert Zillert. Aber: Im Kreis Heidenheim geht die Schere zwischen Stellen und Bewerber schwächer auf. Dort gab es lediglich 14 Prozent mehr Stellen als Bewerber.

Der Blick auf die Entwicklung der Arbeitslosigkeit der verschiedenen Personengruppen verdeutlicht, dass sich die Region unterschiedlich zum Landestrend bewegt hat – und es gibt lokale Unterschiede zwischen den Landkreisen Ostalb und Heidenheim. Großer Gewinner des kleinen Wunders am regionalen Arbeitsmarkt waren die Jüngeren: Während ihr Anteil an den Arbeitslosen landesweit lediglich um fünf Prozent zurückging, fiel die Quote in der Region auf 2,0 Prozent – in Heidenheim gab es 18,4 Prozent weniger junge Arbeitslose, auf der Ostalb waren es 16,8 Prozent (siehe Grafik).

Der Fachkräftemangel wird Wachstum hemmen.

Elmar Zillert
Chef der Arbeitsagentur Aalen

Langzeitarbeitslose im Fokus

Interessant gestaltet sich die Entwicklung bei den Langzeitarbeitslosen. Während der Rückgang im Ostalbkreis mit lediglich 8,7 Prozent unter dem Landesschnitt von 9,6 Prozent lag, stach Heidenheim mit einem Rückgang um 17,5 Prozent positiv heraus. „Langzeitarbeitslosigkeit ist weiterhin ein großes Problem in der Region: 33,4 Prozent der Arbeitslosen ist hier länger als ein Jahr ohne Job. Im Landesschnitt sind es nur 29,5 Prozent. Darin sehen wir einen Handlungsauftrag“, sagt Zillert.

Und auch bei den Älteren über 50 Jahren hinkt die Region trotz allgemein guter Werte des Arbeitsmarkt dem Landesschnitt weit hinterher. Zwar ging ihre Zahl sowohl auf der Ostalb (-11,1 Prozent) als auch in Heidenheim (-12,8 Prozent) stärker als im Land (-6,4 Prozent) zurück. Der Anteil der Älteren an der Gesamtheit der Arbeitslosen blieb aber mit 40,2 Prozent auf der Ostalb und 38,6 Prozent in Heidenheim weitaus höher als im Land (35,5 Prozent).

„Die Integration von Flüchtlingen auf dem Arbeitsmarkt bleibt eine Mammutaufgabe. 89 Prozent der Personen hat keinen Berufsabschluss. 2018 und 2019 werden mehr Flüchtlinge nach dem Absolvieren von Sprach- und Integrationskursen zur Verfügung stehen“, sagt Zillert. 2017 seien es lediglich 267 Personen gewesen.

Einschätzung für 2018 und Handlungsfelder

Im laufenden Jahr rechnet Elmar Zillert in Ostwürttemberg mit einem Wirtschaftswachstum zwischen 1,7 und 1,9 Prozent.
Die Zahl der sozialversichert Beschäftigten werde weiter um 2600 bis 2800 steigen.
Die Zahl der Arbeitslosen soll zwischen 400 und 600 zurückgehen.
Der demografische Wandel und der Fachkräftemangel nehmen an Fahrt auf. Zillert: „Beide Trends werden enorm spürbar sein und erfordern eine Riesenkraftanstrengung.“

Ressourcen müssen durch nachfrageorientierte Qualifizierung bzw. Teilqualifizierungen gehoben werden. Frauen stehen dabei im Fokus. Dazu nimmt die Agentur Aalen eine Pilotfunktion ein: 1,6 Millionen Euro stehen für Gutscheine für haushaltsnahe Dienste zur Verfügung – so sollen Frauen ihre Tätigkeit ausdehnen.
Langzeitarbeitslosigkeit soll durch präventive Maßnahmen reduziert werden. sk

© Wirtschaft Regional 05.02.2018 20:37
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