IG Metall organisiert Warnstreikwelle

Tarifkonflikt Die Gewerkschaft mobilisiert ihre Mitglieder. Die Metaller wollen eine Möglichkeit der Reduzierung ihrer Arbeitszeit tarifvertraglich verankern – ein Knackpunkt für die Verhandlungen?
  • So wie hier bei einer Kundgebung bei Triumph im Juli 2017 könnten die Mitglieder der IG Metall in den kommenden Wochen für ihre Forderungen in der jetzigen Tarifrunde demonstrieren. Archivfoto: hag

Aalen/Schwäbisch Gmünd

Die IG Metall ruft in ihren Bezirksstellen Aalen und Schwäbisch Gmünd an diesem Donnerstag sowie dem morgigen Freitag, 12. Januar, Beschäftigte in organisierten Betrieben zu Frühschlussaktionen auf, um ihren Forderungen im aktuell schwelenden Tarifkonflikt massiven Nachdruck zu verleihen. Allein im Aalener Beritt der Gewerkschaft sind an den beiden Tagen 31 Betriebe von den Aktionen betroffen.

Für den heutigen Donnerstag, 11. Januar, werden in fünf Betrieben der IG-Metall-Geschäftsstelle Aalen die Beschäftigten aufgerufen, ihre Arbeit vor Schichtende niederzulegen und in den Feierabend zu gehen. Betroffen werden die Eisengießerei Georg Funk (Aalen), Mapal Dr. Kress KG (Aalen), Jakob Schmid (Neresheim-Elchingen), Seydelmann KG (Aalen) sowie die SHW Automotive GmbH in Aalen-Wasseralfingen sein. Welche Betriebe im Gmünder Raum betroffen sind, konnte von der Gmünder Geschäftsstelle der IG Metall am Mittwoch nicht in Erfahrung gebracht werden.

Die IG Metall fordert in der laufenden Tarifrunde 2018 eine Entgelterhöhung von sechs Prozent mit einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie einen individuellen Anspruch auf Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit auf bis zu 28 Stunden für maximal zwei Jahre. Danach soll die Rückkehr zur 35-Stunden-Woche oder eine erneute Verkürzung möglich sein. Diese Forderung hat sich als Knackpunkt in der Tarifrunde herauskristallisiert.

Für Beschäftigte mit zu pflegenden Angehörigen oder Kindern unter 14 Jahren soll es nach den Vorstellungen der IG Metall einen monatlichen Entgeltzuschuss von 200 Euro geben, soweit sie ihre Arbeitszeit um mindestens 3,5 Stunden pro Woche reduzieren. Für Beschäftigte in Schichtsystemen, die ihre Arbeitszeit für mindestens zehn freie Tage absenken, fordert die IG Metall einen Zuschuss von jährlich 750 Euro.

Dritte Verhandlungsrunde

Das mickrige Angebot ist eine Provokation!

Josef Mischko
2. IG-Metall-Bevollmächtigter Aalen

An diesem Donnerstag steigt die dritte Verhandlungsrunde der Tarifparteien. In Böblingen versuchen die Protagonisten die Kuh vom Eis zu bringen, wobei nicht von einer schnellen Einigung auszugehen ist. Eine bereits in 14 Tagen avisierte mögliche vierte Gesprächsrunde soll dann womöglich Klarheit bringen. Die Arbeitgeberseite hat bisher 200 Euro Einmalzahlung und eine Entgelterhöhung um zwei Prozent mit einer Gesamtlaufzeit von 15 Monaten angeboten - dies aber an eigene Flexibilisierungswünsche wie eine Arbeitszeitausweitung bei Bedarf geknüpft (siehe Artikel rechts).

Josef Mischko, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Aalen, sagt: „Wir beginnen am heutigen Donnerstag und am morgigen Freitag flächendeckend mit den Warnstreiks in unserer Region. Diese werden in den nächsten Tagen noch gesteigert.“ Er erwarte, dass Südwestmetall in Böblingen klar signalisiert, dass „die Arbeitgeber an einer Lösung bezüglich unserer Arbeitszeitforderung interessiert sind“, sagte Mischko. Sollte der Arbeitgeberverband bis Ende Januar nicht einlenken, gebe es eine weitere Steigerung. Mischko: „Als IG Metall schließen wir auch ganztägige Streiks nicht aus, sollten die Arbeitgeber sich am Verhandlungstisch nicht bewegen. Wir planen dann eine zentrale Kundgebung in Aalen.“ Mischko ist wie Edgar Kühn, Gesamtbetriebsratsvorsitzender bei der SHW AG, als Mitglied der Hintergrundkommission heute in Böblingen mit dabei, um mögliche Ergebnisse der Verhandlungen zu bewerten. Das „mickrige Angebot von zwei Prozent bei verschlechterten Rahmenbedingungen“, empfänden die Kollegen als Provokation!, sagte Josef Mischko weiter.

Entwicklung im Land

Seit Ende der Friedenspflicht haben sich in Baden-Württemberg bis einschließlich 10. Januar mehr als 32.000 Beschäftigte an Warnstreiks und Aktionen beteiligt, allein an diesem Mittwoch gingen im Südwesten über 16.000 Metaller aus über 80 Betrieben auf die Straße. Bereits vor Ablauf der Friedenspflicht am 31. Dezember 2017 hatten mehr als 5000 Beschäftigte die Forderungen der IG Metall unterstützt, für die heutige dritte Verhandlungsrunde wird eine Rekordbeteiligung erwartet.

IG-Metall-Bezirksleiter und Verhandlungsführer Roman Zitzelsberger sagte: „Die Beschäftigten fordern die Arbeitgeber unmissverständlich auf, endlich ein verhandlungsfähiges Angebot auf den Tisch zu legen. Die Hinhaltetaktik und Vogel-Strauß-Politik muss endlich ein Ende haben.“

© Wirtschaft Regional 11.01.2018 00:39
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