Zimmerer bieten Flexibilität

Zimmererhandwerk Die Handwerksbranche hat sich in der Region Ostwürttemberg positiv entwickelt. Beim Ein- und Mehrfamilienhausbau boomt die Holzbauweise.
  • Zimmerleute von Holzbau Rieg bewiesen beim EULE-Bau zur Landesgartenschau 2014 in Gmünd ihr großes handwerkliches Geschick. Foto: Tom

Die Bilanz für 2017 im Zimmererhandwerk in der Region fällt positiv aus. Die Auftragsbücher waren im abgelaufenen Jahr gut bestückt. Die Konjunkturumfrage des Landesverbands Holzbau Baden-Württemberg hat unter den 1 100 Mitgliedsbetrieben ein nahezu einheitlich gutes bis sehr gutes Stimmungsbild ergeben. 93 Prozent gaben an, mit der derzeitigen Auftragslage sehr zufrieden sein.

Das spiegelt sich in den Aussagen der Obermeister der regionalen Innungen Aalen und Schwäbisch Gmünd, Michael Mayle und Martin Bühr. Die Obermeister blicken auf ein gutes Wirtschaftsjahr 2017 zurück und freuen sich, dass es „den Kollegen flächendeckend gut geht“, sagt Michael Mayle.

Dauerbrenner ist noch immer die energetische Modernisierung, bei der die Zimmerleute mit umfangreichen Dämmungsmaßnahmen beschäftigt sind. Doch sei der Zenit hierbei langsam überschritten, sagt der Aalener Obermeister weiter. Viele Haus- und Wohnungseigentümer hätten inzwischen ihre Fassaden und Dächer dämmen lassen, zudem spüre die Branche die gedrosselten Fördermöglichkeiten von Bund und Land.

Einen Ausgleich hierzu schaffe der boomende Holzhausbau, sagt Michael Mayle. Mittlerweile werde in Baden-Württemberg jedes dritte Ein- und Zweifamilienhaus in umweltbewusster Holzbauweise gebaut. Mit 33 Prozent liege der Flächenstaat bundesweit an der Spitze, fügt Peter Mackowiack von Holzbau Baden-Württemberg hinzu.

Der Holzbau boomt

Holzbau ist eine flexible Art zu bauen.

Michael Mayle
Obermeister der Innung Aalen

Die Holzbau-Unternehmen in der Region können über das Marktsegment „Häuslesbau“ nicht klagen. 42 Prozent der Innungsmitglieder geben an, dass sie mit der Nachfrage sehr zufrieden seien. Auch im Mehrfamilien-Hausbau habe das Land stark aufgeholt. Die aktuelle Landesbauordnung komme der Holzbauweise sehr entgegen, betonen die Obermeister. Andererseits spiele mehrgeschossiges Bauen vor allem im urbanen Milieu eine immer stärker werdende Rolle. Ein großer Vorteil des Baumaterials Holz sei, dass es ein eher geringes Eigengewicht hat, aber enorme Tragfähigkeit aufweise. Beim Hochbau sind diese beiden Faktoren ein entscheidendes Argument.

Ein anderes Thema, das dem Holzbau in die Karten spielt, ist die Flexibilität. Wurden noch 2016 viele Unterkünfte für Asylsuchende und Flüchtlinge benötigt, so sind Unternehmen mittlerweile damit beschäftigt, große Unterkunftsgebäude wieder zurück- oder umzubauen.

„Die Statik der Holzbauweise eignet sich ideal, Räume in ihrer Größe zu verändern oder ganze Zwischenwände herauszunehmen“, betont der Gmünder Innungsobermeister Martin Bühr. Flüchtlingsunterkünfte könnten so für den sozialen Wohnbau umgestaltet werden.

Zum vierten Mal in Folge verzeichneten die Betriebe des Zimmererhandwerks in der Region mehr Auszubildende als im Vorjahr. Bis zum 30. September hatten in Ostwürttemberg 43 Jugendliche (Vorjahr 38) einen Ausbildungsvertrag unterzeichnet (+13 Prozent). Die Ausbildung findet vor Ort in den Betrieben, der Berufsschule und dem Ausbildungszentrum Bau in Aalen statt. Ab dem zweiten Ausbildungsjahr gibt es zusätzlich im Ausbildungszentrum des Zimmererhandwerks in Biberach Lehrgänge.

© Wirtschaft Regional 09.01.2018 21:03
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