Kommentar Dieter Keller zum neuen Sparkassen-Präsidenten

Kein Draht zur Politik

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Erstaunlich und erfreulich schnell hat sich der Deutsche Sparkassen- und Giroverband einen neuen Präsidenten gesucht: Schon am 1. Januar 2018 tritt der Heidelberger Helmut Schleweis an, fünf Wochen nach dem Rücktritt von Georg Fahrenschon, der über zu spät abgegebene Steuererklärungen gestolpert ist. Dass das ausgerechnet einem ehemaligen bayerischen Finanzminister passierte, war mehr als eine „Dummheit“, die er selbst zugeben hatte.

Statt auf einen Politiker setzen die Sparkässler jetzt auf einen erfahrenen Insider. Das birgt Chancen, aber auch Risiken. Das Sparkassenlager ist oft keine einheitliche und damit schlagkräftige Gruppe, sondern ein zersplitterter Haufen mit ganz unterschiedlichen Interessen. Die große Präsenz im Land ist Segen und Fluch zugleich.

Denn Kundennähe kostet viel Geld, das in Zeiten von Minizinsen immer schwerer zu verdienen ist. Gleichzeitig sorgt das Internetbanking für zunehmende Konkurrenz. Schleweis weiß, dass er da gefordert ist. Ein Insider kann aber leicht betriebsblind und zu wenig durchsetzungsfähig sein. Da muss er sich erst noch bewähren.

Wichtig ist zudem der Kontakt zur Politik in Berlin und Brüssel, wohin der neue Präsident bisher keine Drähte hatte. Denn gerade bei der EU wird das deutsche Modell der staatsnahen Sparkassen höchst argwöhnisch beobachtet.
© Südwest Presse 21.12.2017 07:45
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