Frauen viel schlechter abgesichert

In Deutschland haben männliche Rentner mehr als doppelt so hohe Einkünfte wie weibliche.
Teilzeitarbeit, Kindererziehung und die Pflege von Angehörigen haben für Frauen massive Auswirkungen auf ihre Alterseinkünfte aus Rente, betrieblicher und privater Vorsorge: Im Schnitt waren sie 2015 um 53 Prozent niedriger als bei Männern. Das zeigt eine Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler Stiftung, das dafür repräsentative Umfragen auswertete.

In Ostdeutschland ist die Lücke mit 28 Prozent deutlich kleiner. Hier haben die Frauen meist deutlich mehr Berufsjahre als im Westen, wo die Lücke 58 Prozent beträgt. Langfristig gesehen wird sie deutlich kleiner: 1995 betrug sie im Osten noch 45 Prozent, im Westen 72 Prozent. Im europäischen Vergleich sind die Unterschiede in Deutschland besonders groß, weil hier früher die traditionelle Arbeitsteilung besonders stark verbreitet war und die gezahlten Beiträge entscheidend für die Rente sind. Nur in Luxemburg ist die Lücke noch etwas größer.

Bei der gesetzlichen Rente, der mit Abstand wichtigsten Säule der Altersversorgung, ist der Unterschied nicht ganz so groß. Hier profitieren Frauen davon, dass Phasen der Kindererziehung anerkannt werden, insbesondere durch die Babyjahre. Im Schnitt erreichte die Rente bei Männern 1154 EUR im Monat, bei Frauen 634 EUR oder 45 Prozent weniger. Deutlich größer sind die Unterschiede bei der betrieblichen Altersversorgung. Auf sie haben nur 7 Prozent der Frauen einen Anspruch, aber viermal so viele Männer. Diese erhalten im Schnitt 593 EUR, Frauen nur 240 EUR.

Im öffentlichen Dienst sind die Unterschiede deutlich geringer. Beamte bekommen nach den WSI-Zahlen durchschnittlich netto 2388 EUR Pension, Beamtinnen 1967 EUR oder knapp 18 Prozent weniger. Auch bei der Zusatzversorgung für Arbeiter und Angestellte im öffentlichen Dienst sieht es etwas besser aus: Mit 234 EUR ist sie bei Frauen im Schnitt gut ein Drittel niedriger als bei Männern.

Um die Rentenlücke zu reduzieren, fordern die Forscherinnen vor allem bessere Erwerbschancen für Frauen und günstigere Rahmenbedingungen für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für beide Geschlechter. Besonders wichtig sei es, die gesetzliche Rente zu stärken.

Dieter Keller
© Südwest Presse 19.12.2017 07:45
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