Kommentar Caroline Strang zu unterschiedlicher Bezahlung

Zementierte Strukturen

  • Redaktion Wirtschaft,Autorenfoto 2016 Foto: swp
Es gibt ein Gesetz für mehr Lohngerechtigkeit in Deutschland, aber gebracht hat es bisher fast nichts. Das ist ein ernüchterndes Ergebnis der Bemühungen, die Arbeitsbedingungen für Frauen und Männer gerechter zu machen. Immer noch findet man Frauen seltener in Führungspositionen. Immer noch nehmen vor allem sie Auszeiten für Kinder oder Pflege. Immer noch arbeiten sie häufiger in Niedriglohn-Berufen.

So weit, so schlecht. Dass in Deutschland der Graben beim Thema Bezahlung besonders tief ist, ist nicht neu, aber es bleibt eine Schande. Von den 28 EU-Staaten liegt unser Wirtschaftswunderland auf Platz 26. Mit eigenen Lebensplanungen der Frauen ist das nicht zu erklären. Auch Frauen in Italien bekommen Kinder. Dort liegt die Gehaltsdifferenz bei 5 Prozent, hier bei 22 Prozent.

Die EU schlägt ein garantiertes Recht auf gleiche Bezahlung vor, es soll berufliche Auszeiten geben und Frauen in Führungspositionen sollen gefördert werden. Vieles davon gibt es schon in irgendeiner – oft wachsweichen – Form. Das reicht aber nicht. Die Situation ist wie zementiert, die Strukturen, Rollenbilder und Machtverhältnisse verhindern Lösungen. Dabei sollte es im Interesse jedes Unternehmens liegen, die Ungerechtigkeiten zu beseitigen. Es rächt sich, das Potenzial von Frauen nicht zu fördern, sondern kleinzuhalten.
© Südwest Presse 21.11.2017 07:45
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