Neue Halle erhöht die Effizienz

Erweiterung Beim Maschinenbauer Seydelmann ist die neue Produktionshalle komplett in Betrieb gegangen. Die gesamte Zerspanung ist darin untergebracht. 6,2 Millionen Euro wurden investiert.
  • Lange geplant, jetzt in Betrieb: die neue Halle von Seydelmann. Foto: sk

Aalen

In der neuen Produktionshalle der Maschinenfabrik Seydelmann hinterm Aalener Proviantamt herrscht reges Treiben. Bereits seit Februar wird darin in zwei Schichten gearbeitet. Der Hersteller von Sondermaschinen für die Fleischverarbeitung wie Kutter und Fleischwölfe sowie andere Lebensmittel, hat inklusive neuer Maschinen über 6,2 Millionen Euro in die Hand genommen. Damit wurde die Produktion effizienter gestaltet. In der neuen Halle ist die komplette Zerspanung mit 22 Mitarbeitern untergebracht. Insgesamt sind am Standort Aalen 290 Mitarbeiter beschäftigt.

Gut ein Jahr nach dem Spatenstich für das lange geplante Großprojekt des 1843 gegründeten Unternehmens, dessen Verwaltungs- und Verkaufsabteilung in Stuttgart ansässig ist, haben die Mitarbeiter in der rund 2500 Quadratmeter großen Halle alle Hände voll zu tun. „Wir sind mit den Verkaufszahlen in der ersten Jahreshälfte 2017 sehr zufrieden“, sagt Geschäftsführer Andreas Seydelmann beim Rundgang durch die neue Bearbeitungshalle.

Da der Maschinenbauer eine hohe Fertigungstiefe besitzt, um kurze Reaktionszeiten zu realisieren, ist ein effizientes Bereitstellen der Komponenten für die speziell nach Kundenwünschen angepassten Maschinen notwendig. „Ziel ist, durch die neue Halle den Ausstoß mit ungefähr derselben Belegschaft deutlich zu erhöhen“, sagt Seydelmann. Dafür verantwortlich sei beispielsweise ein besserer Materialfluss sowie die Zwei-Maschinenbedienung durch die Fachkräfte.

Zum neuen Gebäude, das über ein eigenbetriebenes Blockheizkraftwerk mit Wärme und Strom versorgt wird, gehört ein neues Paternosterlager. „Die Regaleinrichtung kann direkt an der Halle parkende Lkw selbstständig entladen und die Rohmaterialien einlagern“, erklärt der Geschäftsführer. Für rund 2,6 Millionen Euro wurden zudem neue Maschinen angeschafft, darunter eine SHW Uni Force 6. „Die SHW-Maschine wird, während sie ein Teil bearbeitet, mit dem nächsten auf dem zweiten Bearbeitungstisch gerüstet“, erläutert Seydelmann vor der Maschine stehend. Zwei spezielle Kopfdrehbänke, die in dieser Form nicht mehr gebaut werden, wurden gebraucht gekauft, für die automatisierte Bearbeitung generalüberholt und gleichzeitig auf den neusten Stand der Technik gebracht. Auf ihnen werden die riesigen Schüsseln aus Edelstahlguss für die Fleischkutter überdreht. Eine neue Drehmaschine speziell für die Bearbeitung von Schnecken ergänzt den neuen Maschinenpark. „In der übrigen Bearbeitung werden hauptsächlich sehr komplexe Teile mit kleineren Stückzahlen gefertigt.“

Viel Tageslicht in der Halle

Wir sind mit den Verkaufszahlen zufrieden.

Andreas Seydelmann
Geschäftsführer des Betriebs

Ergänzt wird die zehn Meter hohe Halle durch ein Meisterbüro sowie einem Büro für die Warenannahme. Ein Besprechungsraum sowie Sozial- und Waschräume stehen ebenfalls zur Verfügung. Die Halle ist in Massivbauweise errichtet und besitzt eine Dachbegrünung. „Es wurde darauf geachtet, dass über Lichtbänder an Decke und Wänden viel Tageslicht in die Halle kommt“, sagt Seydelmann.

Der Maschinenbauer Seydelmann hat in den vergangenen Jahren stetig Marktanteile hinzugewonnen und besitzt eine gute Auftragslage. Seit 1945 habe die Spezialisierung auf Maschinen zur Wurst- und Fleischverarbeitung zugenommen. Jährlich würden rund 700 Maschinen ausgeliefert. „Wir bauen 85 verschiedene Typen und besitzen eine Exportquote von rund 80 Prozent. 2016 konnten wir ein Umsatzplus von zehn Prozent verzeichnen“, sagt Seydelmann.

Das Unternehmen beliefere sowohl handwerklich geprägte Betriebe wie auch Industriebetriebe. Zwei Drittel des Umsatzes – zu dem die Firma keine Aussagen macht – wird mit Großmaschinen und vollautomatischen Produktionslinien erzielt. Eine Vielzahl der Maschinen geht jedoch in Wurstküchen bei Metzgern. „Der internationale Wettbewerb erfordert effiziente Abläufe in der Produktion. Der Trend geht weg von handwerklich geprägten Strukturen, weshalb sich der Kundenkreis konsolidiert. Nach wie vor bleibt das Handwerk für uns trotzdem ein wichtiges Marktsegment“, sagt er.

Stolz ist das Unternehmen auf sein konstantes Wachstum. Die stärksten Märkte würden sich in Deutschland und Europa sowie den USA befinden. Auch China und Russland seien wichtig. Nach der Krisenbeständigkeit gefragt, entgegnet Seydelmann direkt: „Die Nahrungsmittelbranche ist sehr resistent für konjunkturelle und politische Ausschläge.“ 2017 gehe die Umgestaltung des Werksareals weiter. Das Bürogebäude wird umgebaut und um 300 Quadratmeter erweitert. Alte Hallen werden umgenutzt.

© Wirtschaft Regional 22.08.2017 19:37
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