Veraltete Parteibilder

Nur noch 17 Prozent der SPD-Wähler sind Arbeiter. Dafür findet die Alternative für Deutschland viele Unterstützer in diesem Milieu.
  • Ein Bauarbeiter in Frankfurt: Die AfD ist die Partei mit dem höchsten Arbeiteranteil. Foto: dpa
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Bei der SPD hat sich die Wählerschaft in den vergangenen Jahren am meisten verändert: Sie ist keine Arbeiterpartei mehr. Dafür ähneln ihre Anhänger immer mehr denen der Union. Der größte Unterschied: „Die SPD hat eine größere Wählerschaft in den Großstädten, die CDU hat mehr Wählerinnen und Wähler in den ländlichen Gebieten“, sagt Alexander Kritikos vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Er hat mit Karl Brenke die Wählerstrukturen im Wandel untersucht.

Berufe Nur 17 Prozent der SPD-Wähler sind Arbeiter. Im Jahr 2000 waren es noch 44 Prozent. Dafür hat der Anteil der Angestellten mit 68 Prozent fast das Niveau der Union erreicht. Die neue Arbeiterpartei ist die AfD: Bei ihr ist jeder dritte Wähler Arbeiter. Nur die Linke hat ein ähnliches Potenzial. Unter den Anhängern dieser beiden Parteien gibt es besonders viele Gewerkschaftsmitglieder und nicht etwa bei der SPD. Besonders viele Beamte wählen die Grünen. Die FDP hat eine starke Stellung bei den Selbständigen – genauso wie die AfD. Unter deren Wählern haben viele nur eine einfache Tätigkeit.

Alter und Geschlecht Die FDP ist eindeutig eine Männer-, die Grünen dagegen eine Frauen-Partei. Mit durchschnittlich 48,1 Jahren sind die Grünen-Wähler am jüngsten, aber seit 2000 sind sie besonders stark gealtert, im Schnitt um acht Jahre. Offenbar fehlt der Nachwuchs. Beim Durchschnittsalter ihrer Wähler liegen CDU/CSU und SPD mit 52,8 Jahren genau gleichauf. Noch etwas älter sind die FDP-Wähler. Rentner und Pensionäre machen häufig bei SPD und FDP ihr Kreuz, selten bei den Grünen.

Wohnort Die früheren West-Parteien CDU/CSU, SPD, Grüne und FDP haben im Westen weiterhin besonders viele Fans, Linke und AfD im Osten. In Großstädten sind Linke, Grüne und SPD besonders stark, Union, FDP und AfD dagegen in kleineren Gemeinden.

Einkommen Da stimmen die alte Vorurteile: Die Wähler der FDP haben die höchsten, die der Linken die niedrigsten. Bei den AfD-Wählern fällt den DIW-Forschern eine besonders große Spreizung auf: Es gibt viele mit geringem, aber auch besonders hohem Einkommen. Sie schätzen zudem – ähnlich wie die Wähler der Linken – ihre persönliche wirtschaftliche Lage als besonders schlecht ein.

Sorgen Mit der sozialen Gerechtigkeit in Deutschland sind die Wähler von CDU/CSU und FDP am zufriedensten. Dass sich die Grünen-Fans besonders häufig um Umwelt und Klimawandel sorgen, überrascht wenig. Wegen der Zuwanderung und der Kriminalität machen sich AfD-Wähler besonders oft Gedanken.

Nichtwähler Nur wenige bekennen sich dazu, nicht wählen zu gehen. Unter ihnen finden sich besonders viele Arbeitslose sowie Beschäftigte mit einfacher Tätigkeit und niedrigem Einkommen.

Datenbasis Brenke und Kritikos haben zum einen die Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften ausgewertet, für die alle zwei Jahre 3500 Bürger nach ihren Wahlabsichten befragt werden, zuletzt 2016. Hier gibt es Vergleichszahlen mit dem Jahr 2000. Zum anderen haben sie die Ergebnisse 2015 des Sozio-ökonomischen Pannels ausgewertet, für das 35 000 Bürger befragt werden. Daher konnten sie die Entwicklung in den vergangenen 12 Monaten nicht berücksichtigen.

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© Südwest Presse 20.07.2017 07:46
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