Kommentar Helmut Schneider zu befristeten Arbeitsverträgen

Freiraum für Flexibilität

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Aus der Sicht des Arbeitnehmers ist ein befristeter Arbeitsplatz nicht der Idealfall. Jeder möchte sich seines Arbeitsplatzes sicher sein – möglichst zeitlich unbegrenzt. Dass Gewerkschaften sich für aus diesem Blickwinkel „sichere“, weil unbefristete Verträge einsetzen, gehört zu ihrem Auftrag und Selbstverständnis. Manche Politiker machen sich solche Forderungen schnell zu eigen, weil sie damit gut ankommen.

Aus Sicht des Unternehmens sehen Befristungen freilich etwas anders aus. Sie sind ein notwendiges Instrument, um sich Flexibilität in konjunkturell und betrieblich unsicheren Zeiten zu bewahren. Ein klassischer Zielkonflikt, der sich auch bei anderen arbeitsrechtlichen Formen zeigt: Mehrarbeit ohne Zuschläge, Zeitarbeit, Werkverträge oder Ausgliederungen.

Dass sich die Zahl der Befristungen in den vergangenen 20 Jahren verdoppelt hat, ist ein Beleg dafür, dass Unternehmen einen Spielraum brauchen, um auf Unsicherheiten reagieren zu können. Sind rund sieben Prozent befristete Arbeitsverträge ein gesellschaftlicher Skandal, wie dies gelegentlich behauptet wird? Natürlich nicht.

Der weit größere Skandal ist nicht der befristete Arbeitsplatz, sondern der, den es gar nicht gibt. Wer unsichere Stellen verringern will, sorgt für eine gute Wirtschaftspolitik. Die Beschränkung betrieblichen Freiraums zählt nicht dazu.
© Südwest Presse 22.04.2017 07:46
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