Bei Lindenfarb fallen 38 Stellen weg

Belegschaft des insolventen Textilveredlers kommt glimpflich davon - Suche nach Investoren läuft
  • Der Textilveredler Lindenfarb steckt seit Ende November in der Insolvenz
Nun liegen die Karten auf dem Tisch: Beim insolventen Textilveredler Lindenfarb fallen 38 der aktuell 377 Stellen weg. Darauf haben sich Arbeitnehmervertreter und die Unternehmensführung der insolventen Lindenfarb geeinigt.

Die Sanierung der Lindenfarb Textilveredelung Julius Probst GmbH & Co. KG schreitet weiter voran. Im Zuge der Restrukturierungsmaßnahmen verhandelten Sanierungsgeschäftsführer Detlef Specovius von Schultze & Braun sowie Betriebsrat und IG Metall in den vergangenen Tagen über einen notwendigen Abbau von Arbeitsplätzen. Jetzt steht fest: Es wird nur einen geringen Teil von Arbeitnehmern treffen.

Lediglich 38 der rund 377 dauerhaft beschäftigten Arbeitnehmern wird betriebsbedingt gekündigt. „Es war allen Beteiligten klar, dass die notwendige Neuaufstellung bei Lindenfarb ohne eine Anpassung der personellen Kapazitäten nicht funktionieren wird“, erklärt Specovius. „Aber wir haben das gemeinsame Ziel verfolgt, den Rückgang bei den Arbeitsplätzen so gering wie möglich zu halten. Das ist uns gelungen. Dass nur rund jedes zehnte der 377 Beschäftigungsverhältnisse betriebsbedingt wegfällt, ist für ein Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung eine außergewöhnlich gute Quote. Zumal von den 38 Betroffenen auch zwölf zeitnah ihre Rente antreten können.“

Die Vorsitzende des Betriebsrates bei Lindenfarb, Katja Kalkreuter zeigte sich mit dem Ergebnis der Verhandlungen ebenfalls zufrieden: „Nach harten, aber in der Sache fairen und konstruktiven Verhandlungen ist es dem Betriebsrat gelungen, einen größeren Abbau von Arbeitsplätzen zu verhindern. Es ist unter den gegebenen Umständen ein sehr gutes Ergebnis.“ Cynthia Schneider, Gewerkschaftssekretärin der IG Metall: „Unser Kampf hat sich gelohnt. Wir konnten durch verschiedene Manßnahmen wie z.B. interne Versetzungen, vorzeitige Ruhestandslösungen sowie Entfristungen von ehemaligen Auszubildenden den ursprünglich geplanten Stellenabbau abwenden.“ Schneider erklärt weiterhin: „Für die restlichen betriebsbedingten Kündigungen konnten wir ein Bewerbungs- und Qualifizierungstraining bei der MyPegasus sowie Abfindungen rausholen. Die Verhandlungen haben gezeigt, dass eine gemeinsam getragene Vision, das Unternehmen Lindenfarb fortzuführen, zu einem sehr guten Endergebnis geführt hat.“

Derweil läuft die Suche nach möglichen Investoren weiter auf Hochtouren. Lindenfarb hat das Beratungsunternehmen Falkensteg mit der Durchführung eines M&A-Prozesses betraut. Falkensteg verzeichnet dereit eine große Anzahl von Interessenten. Dabei handelt es sich sowohl um branchennahe Unternehmen als auch um sogenannte Finanzinvestoren. Die Interessenten starten in den kommenden Tagen eine detailllierte Prüfung des Unternehmens. Dafür wurde eigens ein entsprechender Datenraum eingerichtet. Nach Abschluss dieser Prüfungen will Specovius in die finalen Verhandlungen mit den Interessenten eintreten und diese schnellstmöglich abschließen.

© Wirtschaft Regional 21.03.2017 15:56
1665 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?