In Oberkochen taucht wieder „Hensoldt“ auf

Firmenverkauf Der US-Finanzinvestor KKR hat Rüstungssparte von Airbus gekauft. Für die 450 Mitarbeiter in Oberkochen gibt es eine Beschäftigungsgarantie bis 2018.
  • Ein Produkt aus Oberkochen: Das NightOwl zur Überwachung und zum Schutz von Grenzen und Küsten. Foto: Airbus DS

Oberkochen/Taufkirchen

Was im März letzten Jahres vereinbart wurde, ist nach Zustimmung von amerikanischen und europäischen Kartellbehörden in trockenen Tüchern: Die US-Private-Equity-Gesellschaft KKR hat die Rüstungssparte „Defence & Space“ der Airbus Group mehrheitlich übernommen. Die Verträge wurden am Dienstag in München unterzeichnet. Der Kaufpreis beläuft sich nach Angaben von Airbus auf 1,1 Milliarden Euro. 25,1 Prozent der Anteile bleiben zunächst bei Airbus – dadurch soll Mitarbeitern und Geschäftspartnern ein reibungsloser Übergang gewährleistet werden. Zukünftig wird das Unternehmen für Verteidigungselektronik unter dem Namen „Hensoldt“ mit dem Werbeslogan „Detect and Protect“ (Aufspüren und Beschützen) firmieren. Der Sitz ist in Taufkirchen. Dort sind 350 Mitarbeiter in der Hauptverwaltung und in der Flugsicherung tätig.

Zum neuen Unternehmen gehört auch der Standort Oberkochen, wo 450 Beschäftigte unter anderem Periskope für U-Boote bauen. Das in Oberkochen angesiedelte Feld der Optronik entstand 2012 aus der Security- und Defence-Sparte von Zeiss.

Weitere Standorte sind Ulm, wo 2.000 Mitarbeiter vorwiegend Radar-Systeme zum Beispiel für den Eurofighter herstellen; allerdings bleiben 500 Beschäftigte bei Airbus, Friedrichhafen mit etwa 400 Mitarbeitern, Kiel (Support) und Pretoria in Südafrika mit 600 Mitarbeitern.

Alle Mitarbeiter erhielten bis 2019 eine Beschäftigungsgarantie. In Oberkochen ändert sich operativ nichts. Die bisherige Airbus DS Optronics GmbH wird nach dem Handelsregistereintrag in sechs bis acht Wochen als „Hensoldt Optronics GmbH“ firmieren. Die Oberkochener treten bereits jetzt mit der Marke „Hensoldt“ auf, erklärte Geschäftsführer Andreas Hülle.

Getrennt werden noch die IT-Systeme von Airbus und Hensoldt. Dazu musste KKR mit der Bundesregierung ein Sicherheitsabkommen abschließen, in dem gewährleistet wird, dass sensible Technologien nicht in falsche Hände gelangen können.

Über Hensoldt Im Jahr 1847 gründete der Feinmechaniker und Optiker Moritz Carl Hensoldt eine optische Werkstatt in Sonneberg. Mit Louis Engelbert baute er Mikroskope. Die Firma Engelbert & Hensoldt wurde 1922 in eine AG umgewandelt. 1928 übernahm Zeiss die Mehrheit und fasste 1964 die Produktion von Ferngläsern und Zielfernrohren in Wetzlar zusammen. 2006 wurde aus der Hensoldt AG die Carl Zeiss Sports Optics GmbH. Die Herstellung und Entwicklung militärischer Optiken, die auch in Wetzlar erfolgte, wurde in der Carl Zeiss Optronics zusammengefasst, die im Oktober 2012 von der EADS GmbH übernommen wurde.

© Wirtschaft Regional 02.03.2017 07:15
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