Schüle Druckguss kauft Werk in Polen

Aluminium-Gießerei Der Standort Schwäbisch Gmünd soll damit gestärkt und die internationale Wettbewerbsfähigkeit gesichert werden. Die Schüle Gruppe beschäftigt 765 Mitarbeiter.
  • Die Schüle-Geschäf tsführer Dr. Thilo Pfeil (l.) und Gerold Scholze.
  • Das neue Schüle-Werk in Swiebodzice in Polen. Fotos: Schüle

Schwäbisch Gmünd. Die Julius Schüle Druckguss GmbH baut ihre internationale Präsenz aus und kaufte Ende 2016 ein Aluminium-Druckguss-Werk im polnischen Swiebodzice, gleichzeitig wurde dort eine Tochtergesellschaft gegründet. Schüle stellt hochwertige und komplexe Druckgussteile aus Aluminiumlegierungen her – für Kunden aus der Automobilzuliefererindustrie, der Pneumatik und der Gasheiztechnik. Für das seit vielen Jahren anhaltende Wachstum gibt es viele Gründe:

Schüle versteht es nicht nur, das Portfolio den sich ändernden Anforderungen der Kunden anzupassen, sondern bietet diesen auch einen umfassenden Service an. „Wir beraten, betreuen und begleiten unsere Kunden intensiv, Termintreue und Produktqualität sind die Eckpfeiler einer erfolgreichen Zusammenarbeit“, erklären die Geschäftsführer Gerold Scholze, Dr.-Ing. Thilo Pfeil und Armin Stanko, „aber wir passen uns auch strategisch und in der Unternehmensstruktur dem Markt an.“ Besonders in der Automotive-Sparte, aus der Schüle 80 Prozent der Erlöse erwirtschaftet. Durch die Forderung nach Energieeinsparung und leichten Komponenten wird in der Automobiltechnik stetig Gewicht eingespart. Der Werkstoff Aluminium, der teilweise Stahl-Bauteile substituiert, wird diesen Anforderungen gerecht. Durch die Weiterentwicklung der Technologie erschließen sich der Automobilindustrie neue Anwendungsmöglichkeiten. So erhielt Schüle 2013 einen Großauftrag von der ZF Friedrichshafen AG – ein rotationssymmetrisches Aluminium-Druckgussteil für das Acht-Gang-Automatikgetriebe; die Anforderungen bezüglich Maßhaltigkeit und Festigkeit bei extrem dünner Wandstärke dieser Teile sind enorm. „Um sie wettbewerbsfähig herstellen zu können, haben wir innovative, flexible und hoch automatisierte Fertigungssysteme entwickelt,“ erinnert Scholze. Die „Konsequenz“: Eine 7000 qm große Fertigungshalle, für die einschließlich modernster Maschinen und Anlagen ein hoher zweistelliger Millionen-Betrag investiert wurde. Damit verfügt Schüle für die 270 Gmünder Mitarbeiter in Produktion, Entwicklung, Vertrieb und Werkzeugbau über eine bebaute Fläche von 17.000 qm.

Bereits 1999 wurde die Schüle Slovakia s.r.o. in Poprad in der Slowakei gegründet. Dort sind heute 370 Mitarbeiter auf über 10.000 qm beschäftigt. Poprad war aber nur der erste Schritt in die Internationalisierung. „Wer heute in der Automobilindustrie als leistungsfähiger Dienstleister wahrgenommen werden will, benötigt eine gewisse Größe“, begründet Scholze die Wachstumsstrategie. „Wir haben uns aber lange umgeschaut und geprüft, ehe wir uns für einen Zukauf entschieden haben“, sagt Pfeil. Am 15. Dezember 2016 unterschrieben die Schüle-Manager den Kaufvertrag für die Moneva Polska, eine Tochter der Moneva GmbH Winterbach. „Schüle Polska Sp. z o.o.“ heißt nun das neue Schüle-Gruppenmitglied in Niederschlesien. Auf 5.000 qm sind in Swiebodzice 125 Mitarbeiter beschäftigt.

„Dieses Werk ist ein Filetstück und passt zu Schüle, weil diese Aluminium-Druckgießerei über Maschinenparkausstattung und Technologie verfügt, die mit der unserer in Gmünd durchaus vergleichbar ist“, sagt Scholze. In Gmünd sind es z. B. 14 Gießmaschinen mit Schließkräften von 180 bis 1400 Tonnen, 50 CNC-Bearbeitungszentren und 15 CNC-Drehmaschinen. Diese sind in komplexe Fertigungssysteme mit hohem Automatisierungsgrad integriert.

Thilo Pfeil verschweigt nicht, „dass wir auch die Kosten im Blick haben müssen – in Polen sind die Löhne geringer als in Deutschland.“ Das bedeute aber nicht, „dass dies negative Auswirkungen auf den Schüle-Standort Gmünd habe, betont Scholze deutlich: „Im Gegenteil, Swiebodzice stärkt unsere ganze Gruppe. Durch den Kosten-Mix aus Hochlohn- und Niedriglohnland erhöhen wir unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die Aufwendungen für Forschung und Entwicklung, die wir in Gmünd fokussieren, sind inzwischen überall auf der Welt auf dem gleichen Level.“

Größe entscheidet in der Automobilindustrie.

Gerold Scholze, Schüle-CEO

Der neue Standort bietet der Schüle Gruppe weitere Wachstumsmöglichkeiten – Scholze: „In Swiebodzice platzieren wird zusätzliche Projekte.“ Durch diese soll auch das Umsatzziel von 100 Millionen Euro im Jahr 2017 erreicht werden. 2016 beliefen sich die Erlöse auf über 90 Millionen Euro, wobei die polnische Tochter bereits konsolidiert ist.

In Automation hinkt Swiebodzice Gmünd noch hinterher. „Diesen Unterschied werden wir ausgleichen“, kündigt Pfeil an. Ein intensiver Schulungsaustausch zwischen den polnischen und Gmünder Mitarbeitern findet statt. Pfeil hat in Swiebodzice festgestellt: „Die Bereitschaft und der Wille zur erfolgreichen Zusammenarbeit ist groß!“ Qualifizierte Fachkräfte in der Gießereibranche zu finden sei nicht einfach – Pfeil: „Deshalb ist die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Professoren und Studenten der Hochschule Aalen für uns wichtig. Wir suchen engagierte Treiber, die bereit sind, Verantwortung zu tragen.“

Die Moneva GmbH + Co. KG in Winterbach entwickelt und fertigt einbaufertige Aluminium-Druckgussteile. Die Kunden kommen aus Automobil-, Elektronik- und Elektrowerkzeuge-Industrie sowie aus dem Maschinenbau.

© Wirtschaft Regional 23.02.2017 18:54
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