„Jeder soll essen, was ihn glücklich macht“

Agrarminister Christian Schmidt will zur Grünen Woche im Januar das Label für artgerechte Tierhaltung vorstellen.
  • Ein neues Tierwohl-Label soll auch Haltungsbedingungen für Tiere festlegen. Foto: Bildquelle
Gerade erst hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt mit seinem Frontalangriff auf fleischlose Wurst und vegane Schnitzel für Aufsehen gesorgt, da öffnet der Bäckersohn aus dem Fränkischen schon das nächste Fass: Rechtzeitig zur Grünen Woche in Berlin (20. bis 29. Januar) wird Schmidt sein Tierwohl-Label präsentieren – und gleich einen Tierwohl-Beauftragten dazu.

Mit dem Kennzeichen für artgerechte Tierhaltung will der CSU-Mann „eine verständliche und einfache Kaufentscheidung“ bieten, wie es im „Grünbuch Ernährung, Landwirtschaft, Ländliche Räume“ heißt. Die Verbraucher sollten stärker von der Qualität der Produkte überzeugt werden: „Wir streben die Abkehr vom reinen Preiswettbewerb hin zu einem Qualitätswettbewerb an“, sagte Schmidt.

Das Tierwohl-Label soll nach Vorstellung des Ministers ein „Qualitätsnachweis nach gemeinsamen Kriterien und Anforderungen für Tierhalter und Schlachthöfe“ sein. Das neue nationale Gütesiegel wird mehrere Stufen haben und weder die bestehende Brancheninitiative Tierwohl noch die verschiedenen Bio- und Ökolabel ersetzen.

Hinter dem offiziellen Tierschutz-Siegel der Bundesregierung verbirgt sich auch die Sorge des Ernährungsministers um die Zukunft der deutschen Landwirtschaft, die langfristig nur dann erfolgreich sein könne, „wenn sie von einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz getragen ist“, meint Schmidt. Er forderte alle Beteiligten auf, die „Grabenkämpfe zwischen konventioneller und ökologischer Landwirtschaft“ zu beenden, die Debatte um gute Ernährung dürfe „kein Glaubenskrieg“ werden.

In seinem Grünbuch legt der Agrarminister den Fahrplan der Agrarpolitik für die nächsten Jahre fest. Darin bekennt sich Schmidt zur Förderung „des in den Regionen verwurzelten, aktiven Landwirts“ und spricht sich für eine Begrenzung des „Zugriffs außerlandwirtschaftlicher und ausländischer Investoren auf den Boden“ aus.

Bis 2030 sollen die ernährungsbedingten Krankheiten durch eine Umstellung auf einen gesund erhaltenden Ernährungs- und Lebensstil der Menschen reduziert werden, vor allem durch weniger Salz, Zucker und Fett in den Nahrungsmitteln. Zu diesem Zweck wurden das Bundeszentrum für Ernährung, das Institut für Kinderernährung und das Nationale Qualitätszentrum für Kita- und Schulessen gegründet.

In den Ländlichen Räumen will Schmidt durch „Zukunftswerkstätten“ den Dialog über die Entwicklung dieser Regionen vorantreiben. Im Blickpunkt stehen besonders wirtschafts- und strukturschwache sowie vom demografischen Wandel betroffene Regionen.

Schmidt bekräftigte seine Forderung, fleischlose Wurst und vegane Schnitzel begrifflich anders zu kennzeichnen. Er sei hier für „Klarheit und Wahrheit“ im Interesse der Verbraucher. Produkte, die kein Fleisch enthielten, sollten nicht länger „Fleisch“ genannt werden dürfen. Der Minister wandte sich gegen den Vorwurf, er wolle den Menschen „vorschreiben, was auf den Tisch kommt“. Ihm gehe es „allein um Transparenz und Information – ansonsten soll jeder essen, was ihn glücklich macht“.
© Südwest Presse 31.12.2016 07:46
Ist dieser Artikel lesenswert?