Kommentar Helmut Schneider über die italienischen Banken

Wieder nur Zeit kaufen

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Der italienische Staat wird die ebenso traditions- wie schuldenüberhäufte Banca Monte dei Paschi di Siena nicht hängen lassen. Damit steht nicht nur Italien, sondern die ganze Europäische Union streng genommen wieder dort, wo man vor acht Jahren, zu Beginn der großen Finanzkrise, auch schon stand: Der Steuerzahler muss für die Verluste der Banken einspringen.

Es handelt sich beim drittgrößten Geldhaus des Landes allerdings nicht um eine Investmentbank, die an den Kapitalmärkten ein großes Rad drehte. Viele Kleinsparer haben hier ihr Geld angelegt. Ließe man die Bank pleite gehen, wie es streng genommen womöglich besser wäre, verlören sie ihr Erspartes.

So einleuchtend die politischen und ökonomischen Argumente für eine staatliche Rettungsaktion auch sind: Sie wird ein fauler Kompromiss sein, weil sie allen Beteiligten wieder nur Zeit erkaufen wird, ohne die Probleme zu lösen, die schon seit acht Jahren nicht gelöst werden.

Denn was für Italiens Banken gilt, gilt auch für das Land selber: Ohne schmerzliche strukturellen Reformen wird es kein Entkommen aus der Schuldenspirale geben können. Die Europäische Zentralbank ermöglicht zwar mit ihrer Politik des billigen Geldes, dass die Schuldenlast noch einige Zeit erträglich ist. Aber auf Dauer ist das kein tragfähiges Konzept.
© Südwest Presse 23.12.2016 07:46
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