Kommentar Dieter Keller zu den vorsichtigen Konjunkturprognosen

Unsicheres Wachstum

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Prognosen sind meist eine riskante Sache: Hinterher kann man immer gut erklären, warum sie sich nicht bewahrheitet haben. Vor einem Jahr sagte der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) aufgrund seiner Unternehmensumfrage für 2016 ein Wachstum von 1,3 Prozent vorher. Scheibchenweise hat er dies inzwischen auf 1,9 Prozent hochgeschraubt. Das zeigt: Auch das Bauchgefühl von Unternehmern, wie sich ihre Geschäfte in den nächsten zwölf Monaten entwickeln, kann trügen. Besser so als anders herum.

Das relativiert die Prognose des DIHK für 2017: Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben rechnet nur mit 1,2 Prozent Wirtschaftswachstum. Ein negativer Faktor ist abzusehen: Der Ölpreis dürfte nicht weiter fallen, sondern steigen. Dass er sich nicht dauerhaft positiv auswirken würde, war zu erwarten.

Der Dreh- und Angelpunkt für die deutsche und insbesondere die baden-württembergische Wirtschaft ist der Export. Der dürfte aus heutiger Sicht nur wenig zunehmen, weil die Weltkonjunktur schwächelt. Zwar kommen aus dem Ausland immer wieder Forderungen, Deutschland möge mehr aktiv werden, um sie anzukurbeln. Aber da werden die Einflussmöglichkeiten der Politik maßlos überschätzt. Spannend wird, wie sich die Konsumbereitschaft der deutschen Verbraucher im Wahljahr entwickelt. Auch das ist schwer vorherzusagen.
© Südwest Presse 21.10.2016 07:46
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