EU rügt „Mangel an Transparenz“ bei VW

Wirrwarr zum Start der Umrüstung, viele offene Fragen: Die Informationspolitik von VW zur „Dieselthematik“ ruft nun Verbraucherschützer auf den Plan.Beim Umgang mit seinen Kunden in der Abgaskrise gerät Volkswagen auch auf europäischer Ebene stärker ins Visier von Verbraucherschützern. Organisationen aus den meisten Mitgliedstaaten klagten über einen „Mangel an Transparenz“, sagte die zuständige EU-Kommissarin Vera Jourova am Montag. Der Konzern habe Autofahrer nicht ausreichend informiert, wie Abhilfe geschaffen werden solle, hieß es aus der Brüsseler Behörde. In Deutschland, wo Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) nach der Manipulation von weltweit Mio. Dieselwagen Nachtests angeordnet hatte, werden nun erste Modelle auch anderer Autobauer zurückgerufen.

Der ADAC mahnte, Autofahrer dürften nicht für Versäumnisse anderer bestraft werden. „Um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen, müssen Autoindustrie und Politik sicherstellen, dass sich für Verbraucher weder aus der Umrüstung noch aus der Aufarbeitung weitere Nachteile ergeben“, sagte Vizepräsident Thomas Burkhardt. Ein richtiger Schritt wäre es aus seiner Sicht, die Einhaltung aller Vorschriften und Abgaswerte verbindlich zu garantieren.

Die „freiwilligen“ Abgas-Nachbesserungen für bis zu 630 000 Autos auch anderer deutscher Hersteller gehen derweil an den Start. Als ersten Schritt gab das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die Umrüstung des Geländewagens Macan von Porsche frei, teilte das Verkehrsministerium mit. Ziel ist es, dass die Abgasreinigung dieser Autos bereits ab fünf Grad Celsius Außentemperatur in vollem Umfang arbeitet – und nicht wie bisher erst bei über 17 Grad Celsius.?

Hintergrund sind Nachmessungen des KBA im Zuge des VW-Skandals. Dabei ergaben sich bei 22 von 53 getesteten Wagen mehrerer Hersteller Zweifel, ob ein Herunterregeln der Abgasreinigung bei niedrigeren Temperaturen mit dem Motorschutz zu begründen ist. Die deutschen Hersteller sagten Nachbesserungen im Rahmen von „Serviceaktionen“ zu. Bei der VW-Tochter Audi erstreckt sich dies auf etwa 60 000 Fahrzeuge in Europa, wie ein Sprecher sagte.
© Südwest Presse 06.09.2016 07:46
Ist dieser Artikel lesenswert?