Sensor steuert die Geräte

Im vernetzten Garten arbeiten Rasensprenger und Mähroboter von selbst
Gartenarbeit - was manche als Vergnügen empfinden, ist für andere eine lästige Pflicht. In einem vernetzten Garten erledigen Geräte fast alles von alleine. Blumen pflanzen kann das System aber noch nicht.Der Gartenbesitzer räkelt sich auf dem Liegestuhl. Um ihn herum zieht ein kleiner Rasenmäher selbstständig seine Runden. 80 Prozent der Rasenfläche sind schon geschafft, zeigt eine Anzeige auf dem Smartphone. Ein Sensor im Blumenbeet erkennt: Es ist zu trocken für die Pfingstrose - automatisch springt das Bewässerungssystem an. Doch dann meldet die Wetter-App: In ein paar Stunden ist Regen angesagt. Die Bewässerung setzt sofort aus, schließlich soll Wasser nicht unnötig verschwendet werden.

Solche Szenen könnten sich bald in vielen Gärten abspielen: In einigen Jahren wird ein intelligenter und vernetzter Garten Standard sein, mein Heribert Wettels, Pressesprecher des Ulmer Gartengeräteherstellers Gardena. Schon zur nächsten Saison kommen einige Systeme auf den Markt, die Gartenpflege mittels Sensoren und Smartphone-Steuerung vereinfachen sollen. Beim neuen Rasenmäher von der Stuttgarter Bosch-Gruppe ermittelt zum Beispiel eine App anhand von Temperatur und Niederschlag den besten Zeitpunkt für den nächsten Rasenschnitt.

Kärcher, ein Spezialist für Reinigungsgeräte mit Sitz in Winnenden, bringt ein intelligentes Bewässerungssystem auf den Markt, dass mit Feuchtigkeitssensoren arbeitet. Integriert werden kann das System auch in Technik am Haus: Damit das Fenster keine Wasserflecken abbekommt, soll zum Beispiel der Rollladen herunterfahren, bevor der Sprinkler einsetzt.

Auch Gardena nähert sich der Vision vom vernetzten Garten. Im Frühling nächsten Jahres kommt das "Smart System" auf den Markt, das Bewässerung und Rasenschnitt verknüpft. Mehr als 30 Mitarbeiter arbeiten an der Innovation.

"Damit decken wir den ganzen Garten ab", sagt Joachim Heppler, Leiter des Produktmanagementbereichs Bewässerung, der das Projekt mit verantwortet. Integriert werden können sowohl eine Bewässerungsanlage als auch ein Mähroboter. Die Schnittstelle zur Kommunikation zwischen den Geräten und zur Smartphone-App übernimmt der so genannte "Gateway". Das kleine Gerät ähnelt einem Internet-Router und stellt die Verbindung zum Wlan-Netzwerk her. Wie auch bei Kärchers Bewässerungssystem versorgt ein Sensor die Geräte mit Informationen über die Feuchtigkeit, Temperatur und Lichtstärke. Ist der Boden zu trocken, geht der Sprinkler an. Sind die Bedingungen optimal für den Rasenschnitt, ist der Mähroboter an der Reihe. Der Nutzer kann über die App eingreifen und Einstellungen vornehmen, wie beim Rasenmäher von Bosch. Auch Wetterdaten werden in die Berechnungen mit einbezogen: Soll es am Nachmittag mit großer Wahrscheinlichkeit regnen, wird mittags nicht bewässert.

Kann der Garten so für den Klimawandel gerüstet werden? In Baden-Württemberg werden die Wetter-Extreme zunehmen, heißt es vom Landesministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft. Das bedeutet, es kann plötzlichen Starkregen, aber auch Trockenperioden geben. Eine Bewässerungseinstellung rein nach Zeitplan wird also immer problematischer, sagt Gardena-Sprecher Wettels. Das Unternehmen sieht das System trotzdem nicht als Antwort auf den Klimawandel. "Das war nicht unser vorsätzliches Ziel, es ist eher ein Nebeneffekt", sagt Heppler. Ein Ziel liege stattdessen darin, Gartenbesitzer zu inspirieren. Gibt es noch eine Lücke im Blumenbeet, schlägt die Smartphone-App anhand von Sensorinformationen eine Pflanze vor, für die Licht- und Bodenverhältnisse passend sind. Auch exotischere Pflanzen hätten so die Chance, in einem deutschen Garten zu gedeihen. Aber was ist mit dem Gartenliebhaber, der sich leidenschaftlich gerne selbst um seinen Rasen kümmert? Natürlich gibt es Menschen, die gerne mähen, erklärt Wettels. Der Großteil der Kunden pflanze aber zum Beispiel lieber Blumen an - und das nimmt ihm das System nicht ab. "Die Zeit im Garten, die man hat, soll man genießen können", sagt Wettels.

Billig ist dieser Service allerdings nicht: Das komplette Set mit Rasenmäher, Bewässerungssteuerung, Sensor und "Gateway" kostet rund 1850 EUR. Dazu können dann nach Belieben unterschiedliche Bewässerungsanlagen kombiniert werden, zum Beispiel eine Tropfbewässerung oder ein Sprinklersystem. "Nicht jeder Mensch, nicht jeder Garten ist gleich", sagt Heppler. Er spricht von mehr als 1000 verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten des Systems.

In Zukunft will Gardena immer noch mehr Geräte in das intelligentes System einbinden. Vielleicht lässt sich irgendwann der Fernseher mit derselben App steuern wie der Rasenmäher. Ob allerdings auch ein Spaten Potenzial für intelligente Vernetzung bietet, wagt Wettels zu bezweifeln. Vielleicht bleiben einige Arbeiten also doch dem Gärtner vorbehalten.
© Südwest Presse 19.12.2015 07:45
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