Kommentar: Konkurrenz bremst Preise

Freunde hat sich die Lufthansa damit nicht gemacht: Die Gebühr, die seit September für den Kauf von Tickets gilt, die nicht über die eigene Web-Seite oder eigene Agenturen laufen, verärgert Reisebüros und Unternehmen, die für das Reisemanagement von Firmen zuständig sind. Es geht um Umsätze, vielleicht sogar Arbeitsplätze. Lufthansa kappt derzeit Kosten, wo es nur geht. Die Provision für Reisebüros und Agenturen will man sich sparen. Deshalb die Gebühr.

Die Auswirkungen von außen zu beurteilen ist schwer. Einbußen in deutlicher dreistelliger Millionenhöhe für Lufthansa nennt der Reiseverband, Belastungen von 100 Millionen Euro pro Jahr für deutsche Unternehmen. Lufthansa dagegen sieht keine Buchungsrückgänge. Tatsächlich ist die Auslastung der Jets dieses Jahr gestiegen, auch die Zahl der Passagiere. Dass sich Geschäftsreisende von Lufthansa abwenden, ist nicht zu erkennen.

Dass sich die Flugpreise allein wegen der Gebühr generell nach oben entwickeln, erscheint angesichts der harten Konkurrenz nicht sehr wahrscheinlich. Viele Firmen setzen ohnehin schon länger für Geschäftsreisen nicht mehr auf Lufthansa, weil ihnen dort die Preise auch ohne Gebühr zu hoch sind. Andere vertrauen trotzdem weiter auf die Kranich-Airline. Noch zumindest.
© Südwest Presse 15.12.2015 07:45
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