Fraport landet in Griechenland

Frankfurter Flughafenbetreiber bekommt Zuschlag für 14 Airports
  • Vier der 14 griechischen Flughäfen, die Fraport künftig betreibt (im Uhrzeigerverlauf von links oben): Lesbos, Rhodos, Kavala und Chania auf Kreta. Fotos: dpa
In der Schuldenkrise war Kanzlerin Merkel für die Griechen ein beliebtes Feindbild. Nun soll ausgerechnet Fraport beim Betrieb der wichtigen Touristen-Flughäfen zum Zuge kommen. Ein heikles Unterfangen.Die Deutschen lieben Hellas nicht nur als Urlaubsland. Die Frankfurter Fraport AG hat sich um den Betrieb von 14 griechischen Regionalflughäfen bemüht und nach langen Verhandlungen nun den fast endgültigen Zuschlag für die Konzessionen erhalten. Doch bis zur Übernahme der Airports im kommenden Herbst bleibt viel zu tun, weil insbesondere bei den Gewerkschaften, aber auch innerhalb der Regierungspartei Syriza tiefes Misstrauen gegen den Betreiber des Frankfurter Flughafens herrscht.

Die deutschen Investoren zahlen 1,2 Mrd. EUR sowie eine Gebühr von 23 Mio. EUR jährlich für die Konzession, die Flughäfen jeweils 40 Jahre lang zu betreiben. Fraport verpflichtet sich zudem, bis 2020 insgesamt 330 Mio. EUR in die 14 Airports zu investieren. 2013 hatten die Griechen ein Bieterverfahren für die Flughäfen ausgelotet, Fraport war vor einem Jahr als bevorzugter Bieter benannt worden. Die Abgabe der Flughäfen gilt als eines der größten und wichtigsten Infrastrukturprojekte des hochverschuldeten Landes.

Fraport-Vorstandschef Stefan Schulte sprach gestern von einer "echten Win-Win-Situation sowohl für unser Unternehmen als auch für Griechenland und seine Bevölkerung". Die 14 Flughäfen seien von entscheidender Bedeutung für die Gesamtwirtschaft des Landes, insbesondere für den Tourismus. Der Zuschlag für Fraport betrifft die Festlands-Flughäfen in Thessaloniki, der zweitgrößten Stadt des Landes, Aktio und Kavala sowie Insel-Flughäfen Chania auf Kreta, Kefalonia, Kerkyra auf Korfu, Kos, Mykonos, Mytilini, Rhodos, Samos, Santorini, Skiathos und Zakynthos. 2015 dürften auf diesen Flughäfen 23 Mio. Passagiere gezählt werden, 1 Million mehr als 2014.

Ausgerechnet einer der drei Unterzeichner des Vertrags auf griechischer Seite, der Infrastrukturminister Christos Spirtzis (Syriza), hatte die Übernahme der Regionalflughäfen noch im Juni mit moderner Kolonialpolitik verglichen. Diese Ansicht vertritt die griechische Luftfahrtgewerkschaft Osypa bis heute: Sie hat beim obersten griechischen Gerichtshof Klage gegen "das nationale Verbrechen" eingereicht. Verhandelt werden soll der Fall im Januar.

Doch es gibt in Athen auch positive Stimmen. Die griechischen Regionalflughäfen benötigten dringend Investitionen, sagt etwa der Chef des Privatisierungsfonds, Stergios Pitsiorlas, dem Fernsehsender Skai. "Der Staat kann die Arbeit privater Betreiber nicht übernehmen, das hat sich in den vergangenen Jahrzehnten gezeigt." Der Fraport-Konzern betreibt derzeit acht Auslandsflughäfen in unterschiedlicher Beteiligungsintensität.

Die Frankfurter wollen die Sanierung der Griechen-Airports umgehend beginnen, haben aber noch keine genauen Investitionspläne, sondern nur ihre Beobachtungen aus der Ausschreibung. Mindestens ein halbes Jahr werde es wohl dauern, bis man einen Überblick über die notwendigen Maßnahmen habe, heißt es aus dem Konzern.

Für Aussagen über das benötigte Personal sei es noch viel zu früh, heißt es. Doch genau hier setzt die Luftfahrtgewerkschaft Osypa den Hebel an. Ihr Chef Vassilis Alevizopoulos kritisiert die seiner Meinung nach zu niedrigen geplanten Investitionen der Deutschen und fürchtet Sparmaßnahmen.

Dabei kann Fraport international durchaus Erfolge vorweisen: So wird Lima mit großer Regelmäßigkeit zum besten Airport Südamerikas gewählt, ständig steigende Passagierzahlen und ein neues, erfolgreiches Shopping-Zentrum belegen die positive Entwicklung in Perus Hauptstadt.
© Südwest Presse 15.12.2015 07:45
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