Boomzeiten für Billiganbieter

Möbelhäuser von Bestellungen für Flüchtlingsunterkünfte überrannt
  • In diesen Stockbetten schlafen Flüchtlinge. Sie wurden in einem ehemaligem Möbelhaus im bayerischen Fürth aufgestellt. Foto: dpa
Betten für Flüchtlinge sind derzeit händeringend gesucht. Selbst große Möbelketten können bei Massenbestellungen von preisgünstigem Mobiliar kurzfristig in Lieferschwierigkeiten geraten.Betten und Matratzen dringend gesucht. Viele Möbelhäuser in Deutschland bekommen derzeit die gestiegene Nachfrage in den Kommunen nach Einrichtungen für Flüchtlingsunterkünfte zu spüren. Beim größten Möbelhändler Ikea sind nach Angaben von Unternehmenssprecherin Isolde Debus-Spangenberg derzeit vor allem günstige Matratzen und Etagenbetten besonders gefragt.

"Kurzfristige Lieferengpässe" bei besonders nachgefragten Produkten seien möglich, teilte der schwedische Möbelriese mit. Derzeit werde zusammen mit Herstellern aus Europa mit Hochdruck daran gearbeitet, bislang in China gefertigte Bettgestelle in jedem der bundesweit 50 Ikea-Läden wieder verfügbar zu machen.

Bei der österreichischen Möbelkette XXXL - mit bundesweit 36 Einrichtungshäusern die Nummer zwei im deutschen Möbelhandel - berichtete Sprecher Julian Viering über eine "deutlich erhöhte Nachfrage" nach Bettzeug, Tischen, Stühlen und Schränken. Das Unternehmen sei jedoch derzeit noch immer in der Lage, auch große Stückzahlen kurzfristig zu liefern.

Gegenwärtig wollten einzelne Kommunen gleich "tausend Betten auf einen Streich" beziehen, berichtet Thomas Horschler für den Möbel-Discounter Poco. Hintergrund der Engpässe in einzelnen Bereichen wie etwa Betten seien mangelnde Kapazitäten bei einigen Herstellern.

Profiteure der gestiegenen Nachfrage seien derzeit wohl vor allem Anbieter von günstigen Möbeln, sagt Thomas Grothkopp vom Möbel-Handelsverband BVDM. Angesichts einer in den vergangenen Jahren eher nicht mehr wachsenden Nachfrage nach Möbeln in Deutschland seien die Lager derzeit ohnehin gut gefüllt. Bei einem jährlichen Gesamtumsatz von rund 30 Mrd. EUR falle der aktuelle Trend ohnehin eher nicht ins Gewicht.

Deutliche Zuwächse erwartet die Branche jedoch bei einem Umzug von Flüchtlingen in die eigene Wohnung. Sobald die Betten in den Zeltstädten ausgedient hätten, könne die Nachfrage zeitverzögert ansteigen, meint etwa Claudia Wieland vom Fachverband der Matratzen-Industrie.

"Ich denke, dass die deutschen Hersteller vielleicht irgendwann partizipieren", sagt auch Ursula Geismann vom Verband der Möbelindustrie VDM. Damit sei jedoch eher im kommenden Jahr zu rechnen. "Es wird ein Umsatzplus geben. Das kann nur keiner beziffern", sagt er.
© Südwest Presse 16.10.2015 07:45
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