VW plant Rückruf

Warnungen vor Abgasmanipulationen schon vor Jahren
VW reagiert mit einem Rückruf auf den Abgas-Skandal. Dabei soll die Software im Steuergerät auf einen gesetzeskonformen Stand gebracht werden. Hinweise auf Manipulation gab es offenbar schon vor Jahren.Im Skandal um die Manipulation der Abgaswerte von Diesel-Fahrzeugen will der VW-Konzern in den nächsten Wochen Abhilfe schaffen. "Es läuft auf eine Rückrufaktion hinaus, die für den Kunden kostenlos sein wird", sagte ein Konzernsprecher am Sonntag. In der kommenden Woche wolle VW erste Erkenntnisse präsentieren. Dazu würden auch Gespräche mit den Behörden geführt.

Die umstrittene Software müsse mit einem Update "in den Zustand versetzt werden, dass sie der Gesetzgebung entspricht", sagte der Sprecher. "Die meisten Fahrzeuge werden mit einem solchen Update den Regularien entsprechen." Ob noch weitere Änderungen vorgenommen werden müssten, kläre das Unternehmen gerade. "Sollten wir mehr machen müssen als ein Software-Update, werden wir das tun".

Damit reagiert der Wolfsburger Konzern auf die Forderung des Kraftfahrtbundesamtes, alle betroffenen Diesel-Fahrzeuge umzurüsten, so dass sie den Abgasgesetzen entsprechen. Laut Medienberichten hatte VW schon lange Hinweise auf den Einsatz illegaler Software zur Manipulation von Abgas-Tests. Der Stuttgarter Bosch-Konzern und ein VW-Techniker hätten bereits vor Jahren vor der Praxis gewarnt, die VW jetzt in die schwerste Krise seit Jahrzehnten gestürzt hat. Auch im Ausland wächst der Druck: In der Schweiz und Belgien wird der Verkauf der fraglichen Autos mit dem Motor EA 189 gestoppt, Italien kündigte eigene Abgasmessungen an.

Unterdessen versucht VW zu klären, wer im Konzern wann vom Einsatz der betrügerischen Software gewusst hat. "Wir ermitteln auf Hochtouren und werden die Ergebnisse, sobald wir sie haben, bekanntgeben", sagte der VW-Sprecher.

Der Konzern hat gestanden, bei weltweit 11 Mio. Diesel-Fahrzeugen Messdaten manipuliert zu haben, um Abgasstandards einzuhalten Dem Konzern droht eine Strafe der US-Umweltbehörde von bis zu 18 Mrd. Dollar (16,1 Mrd. EUR). In Deutschland sind 2,8 Mio. Autos von der Manipulation betroffen.

Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) warf der Bundesregierung in der VW-Affäre Untätigkeit in der Vergangenheit vor. "Sie hätte Hinweisen auf Manipulationen bei der Motorsteuerung längst nachgehen und genauer hinschauen müssen. Stattdessen wurden solche Hinweise als böswillige Unterstellungen abgetan", kritisierte er. Spätestens im Sommer, so Hermann, hätte Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) handeln müssen. Damals hätten die Bundestagsgrünen die Regierung auf die Möglichkeit zur Motorsteuerung bei Abgastests hingewiesen.
© Südwest Presse 28.09.2015 07:45
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