Digitalisierung macht Verdi-Chef Bsirske Sorgen

  • Verdi-Chef Frank Bsirske fordert eine Agenda zur Digitalisierung der Wirtschaft. Foto: dpa
Frank Bsirske befürchtet massive Arbeitsplatzverluste wegen der Digitalisierung in der Arbeitswelt. Der Verdi-Chef fordert eine Anpassungsstrategie.Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi warnt vor Massenarbeitslosigkeit in Deutschland im Zuge der Digitalisierung von Arbeitsprozessen. Gewerkschaftschef Frank Bsirske forderte Politik und Wirtschaft auf, mit einer Agenda auf den Umbruch zu reagieren. Ziel müsse es sein, den Übergang zur neuen digitalisierten Arbeitswelt "im Sinne eines humanen, eines sozialen und ökologischen Fortschritts" zu gestalten. Die Entscheidungen hierfür müssten jetzt fallen. Man dürfe die Dinge nicht "einfach laufen lassen".

Bsirske betonte, der technische Wandel betreffe keineswegs nur die Industrie, sondern "vor allem die Dienstleistungen". Er verwies auf Berechnungen der ING-Diba-Bank, wonach in Deutschland mehr als 18 Mio. Arbeitsplätze durch Roboterisierung gefährdet seien, darunter 1,9 Mio. Büro- und Sekretariatjobs, 1,2 Mio. Verkäuferstellen und 1,1 Mio. Arbeitsplätze im Reinigungsgewerbe.

Ein Kernpunkt einer Agenda zur Digitalisierung sei neben einer besseren Erforschung der Folgen, die Unterstützung der von Arbeitsplatzverlust bedrohten Menschen durch Qualifizierung. Ein Teil der wirtschaftlichen Erträge der Automatisierung müsse hierfür investiert werden, etwa als geförderte "Bildungsteilzeit" mit Lohnersatz für wegfallende Arbeitsstunden.

Bsirske plädierte zudem für eine Verteilung der "zumindest vorübergehend wohl reduzierten" Arbeitsmenge auf die Gesamtzahl der Erwerbssuchenden, was zu kürzeren Arbeitszeiten führen würde. Zusätzliche Jobs "in großer Anzahl" sollten in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Pflege und Integration entstehen. Dies müsse von der Politik gesteuert werden. Finanzierbar sei dies nur, wenn "zumindest ein Teil der Digitalisierungsdividenden" umgelenkt werde.
© Südwest Presse 24.09.2015 07:45
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