Kommentar: Die bösen Börsenbuben

Wäre das Thema nicht so ernst, weil es dabei um Haftstrafen geht, dann müsste man angesichts dieser Nachricht lauthals lachen: Peking hat die Schuldigen für den Börsencrash identifiziert und zieht sie aus dem Verkehr. Deckel drauf, und gut ist's. Das ist selbst für chinesische Verhältnisse abstrus.

Für den Schlamassel an der Börse ist die Regierung selbst verantwortlich: Ihre laxe Geldpolitik hat durch Billigstkredite zu einem wahren Konsumwahn geführt, die Konjunktur entsprechend angeheizt und vor allem auch zum Aktienkauf auf Pump verleitet. Dazu kam - von der Regierungspartei befördert - das Versprechen, dass die Börse Vermögen vermehrt. Nicht annähernd so ausführlich wurde thematisiert, dass Kurse sinken können.

Logisch, schließlich braucht Peking die Börse auch dazu, sich über die vielen teilverstaatlichen Unternehmen Kapital zu holen. Da passt ein Abwärtstrend oder gar eine Skepsis der Anleger nicht ins Bild. Ob diese Beruhigungspille, die Peking mit den Festnahmen, nun unters Volk gestreut hat, wirkt, ist fraglich. Weder die Abwertung der eigenen Währung, noch massive Eingriffe ins Börsengeschehen haben den Ausverkauf gestoppt. Wieso sollte dies nun ausgerechnet solch ein Ammenmärchen von den bösen Börsenbuben schaffen?
© Südwest Presse 01.09.2015 07:45
715 Leser
Ist dieser Artikel lesenswert?