Französische Landwirte blockieren Grenze

Protest gegen billige Nahrungsmittel aus Deutschland und Spanien
  • Mit Traktoren haben französische Bauern die Rheinbrücke zwischen Kehl und Straßburg abgeriegelt. Sie durchsuchten Lkw nach Agrarprodukten. Nahrungsmitteltransporter zwangen sie zur Umkehr. Foto: dpa
Aufgebrachte französische Bauern haben mit Blockaden an den Grenzen zu Deutschland und Spanien protestiert. Sie beklagen unfaire Wettbewerbsbedingungen durch die Landwirtschaft in den Nachbarländern.Seit beinahe zwei Wochen schon sind Frankreichs Bauern auf dem Kriegspfad. Entsprechend angespannt ist die Atmosphäre an den sechs Grenzübergängen zwischen dem Elsass und Deutschland sowie an drei weiteren Grenzübergängen nach Spanien, die von aufgebrachten Landwirten abgeriegelt wurden.

Um totale Blockaden handelt es sich nicht bei den von der größten Bauerngewerkschaft FDSEA organisierten Aktionen, sondern um sogenannte "filternde Straßensperren".

Während Personenwagen durchgelassen werden, halten die Landwirte alle Lastwagen an und überprüfen deren Ladung. Deutsche und spanische Lkw, die Agrarprodukte transportieren, werden zur Umkehr gezwungen, die Übrigen dürfen weiterfahren. Dass es dabei zu erheblichen Verzögerungen und langen Staus kommt, liegt auf der Hand.

Glaubt man FDSEA-Sprecher Frank Sander, beteiligen sich mehr als 1000 Landwirte an den Grenzblockaden, mit denen gegen die "Verzerrung des Wettbewerbs" auf dem europäischen Agrarmarkt protestiert werden soll. Im Klartext: Die französischen Bauern werfen insbesondere ihren deutschen und spanischen Konkurrenten vor, durch den Einsatz von Billiglohnkräften für das Absacken der Milch- und Fleischpreise um rund 10 Prozent in den vergangenen zwei Jahren verantwortlich zu sein.

Wütende Bauern sind der Alptraum jeder französischen Regierung. Schon deswegen halten sich die Gendarmen, die die Situation an den Grenzübergängen aus gebührendem Abstand beobachten, vornehm zurück. "Nur kein Öl ins Feuer gießen", lautet die Order von oben.

Zudem weiß man in Paris sehr genau, dass hinter dem Muskelspiel der Landwirte pure Verzweiflung steckt. Rund 25 000 der 500 000 Bauernhöfe des Landes sind von der Pleite bedroht, ein Großteil der Milch, Rind- oder Schweinefleisch produzierenden Betriebe wird ihre Produkte nur noch unter dem Herstellerpreis los.

"Wenn Paris und Brüssel nicht sofort gegensteuern, verschwinden in Frankreich die Hälfte der Milchproduzenten", klagt Frédérique Bougearde. Der junge Landwirt, der an der Sperre der Brücke Pierre Pfimlin südlich von Straßburg teilnimmt, ist über beide Ohren verschuldet. Mit seinem Vetter bewirtschaftet er einen 120-Hektar-Bauernhof, dessen 80 Milchkühe bislang für eine Einnahme von 650 00 EUR im Jahr standen. In diesem Jahr wird er nach der Freigabe der Milchpreise rund 40 000 EUR weniger erzielen und befürchtet, dass sich der Verlust über das gesamte Jahr 2016 auf 90 000 EUR summieren wird.

Gegen deutsche Großbauern, die mit bis zu 1000 Kühen ungleich günstiger produzieren, meint Bougearde "einfach nicht antreten" zu können. Ähnlich "überrollt" fühlen sich auch die Tierzüchter, deren Fleisch europaweit nicht mehr wettbewerbsfähig ist. Ihnen sind vor allem die ostdeutschen Schlachthöfe ein Dorn im Auge, die rumänische und bulgarischen Billiglohnarbeiter einsetzen.

Allerdings richtet sich der Zorn der Bauern auch gegen die eigene Regierung. Paris beschloss zwar eine Krisenhilfe von rund 600 Mio. EUR in Form von Steuererleichterungen und Preisgarantien an. Doch in den Augen der Landwirte ist das nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein.
© Südwest Presse 28.07.2015 07:45
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