Kommentar: Nötig ist mehr Flexibilität

Hand aufs Herz: Sehen Sie gelegentlich am Feierabend nach, ob in ihrem dienstlichen E-Mail-Konto noch wichtige Nachrichten angekommen sind? Oder tun Sie das gar regelmäßig? Und erfassen Sie das als Arbeitszeit? Viele werden wohl letzteres für unpraktikabel halten. Kein Wunder, dass die Arbeitgeber vom Acht-Stunden-Tag als gesetzliche Höchstregelung wegkommen wollen. Der internationale Wettbewerb erfordert immer mehr Flexibilität, auch bei der Arbeitszeit.

Das allerdings darf nicht zu Lasten der Arbeitnehmer gehen. In Gesetzen steht so manches, was im Alltag nicht eingehalten wird. Beispielsweise auch, dass die tägliche Arbeitszeit allerhöchstens zehn Stunden betragen darf. Manchen Unternehmen, insbesondere im Gastgewerbe, ist das erst aufgefallen, als sie wegen des Mindestlohns die Arbeitszeit erfassen mussten. Dabei gilt die Regel schon seit zwei Jahrzehnten.

Am besten wäre es, dass die Tarifparteien die Arbeitszeit regeln. So lassen sich am besten die Bedürfnisse der Branche oder eines Betriebes berücksichtigen. Doch auch die Politik darf sich nicht heraushalten. Es gibt genug Branchen, in denen Tarifpartner für eine Regelung fehlen. Auch sie brauchen rasch einen vernünftigen Rahmen, der zu unserer Zeit passt.
© Südwest Presse 25.07.2015 07:45
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