Neuer Machtfaktor in Welt-Finanzordnung China mit Entwicklungsbank erfolgreich

Gegen den Widerstand der USA hat China die globale Finanzordnung verändert. Bei der neuen Infrastrukturbank hilft Deutschland mit.Am Ende waren die Chinesen selbst überrascht vom Erfolg ihrer Asiatischen Infrastrukturbank (AIIB). Nicht einmal zwei Jahre hat es seit dem ersten Vorschlag von Staats- und Parteichef Xi Jinping gebraucht, um das internationale Finanzorgan aufzubauen. Der diplomatische Coup gelang, obwohl die USA anfänglich noch aktiv gegengesteuert hatten. Mittlerweile haben sich die Gemüter beruhigt, wenn auch die USA und ihr asiatischer Verbündeter Japan sich nicht beteiligen. Bei der Zeremonie zur Gründung waren 57 Länder vertreten.

Mit einem Anteil von mehr als 30 Prozent ist China der größte Anteilseigner der Bank, die Ende des Jahres ihre Arbeit aufnehmen soll. Insgesamt kommen die asiatischen Staaten auf 75 Prozent. Neben China gehören Indien und Russland zu den größten Geldgebern. Deutschland ist mit rund 4 Prozent und einem Kapitaleinsatz von 900 Mio. Dollar (810 Mio. EUR) viertgrößter Anteilseigner - und macht sich Hoffnung, dass Frankfurt - und nicht London - als Standort für ein künftiges Regionalbüro in Europa ausgesucht werden könnte. Deutschland und andere europäische Mitglieder sehen sich selbst als Garanten, dass die von China geführte Infrastrukturbank nicht zum Rivalen für Weltbank, Asiatische Entwicklungsbank (ADB) oder Währungsfonds (IWF) wird, sondern als sinnvolle Ergänzung operiert.

China will eine Bank, die nach hohen internationalen Standards funktioniert und nicht die Kreditbedingungen der anderen Finanzorgane untergräbt. Denn Finanzinstrumente, um chinesische Projekte im Ausland zu fördern, hat China mit seinen eigenen Entwicklungsbanken schon genug.

Das Prestigeprojekt von Präsident Xi Jinping soll aber Lücken schließen und setzt ein Gegengewicht zu der von den USA dominierten globalen Finanzordnung mit Weltbank, ADB und IWF. Die Regierung in Peking war frustriert, dass all seine Versuche gescheitert waren, mehr Mitsprache zu bekommen. "Als zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und einer der größten Kapitalexporteure nimmt China eine immer wichtigere Rolle in der internationalen Finanzarchitektur ein", sagt Sandra Heep vom Merics China-Institut. Für den Aufbau der Bank holte sich China auch frisch pensionierte Experten der Weltbank und setzt das Management international zusammen.
© Südwest Presse 30.06.2015 07:45
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