Die Foto-App erkennt den Schneesturm

Google bringt eine Reihe neuer Anwendungen auf den Markt
  • Ein Pappkarton vors Handy reicht für virtuelle Realität aus. Aufgenommen werden die Bilder mit 16 Kameras. Foto: afp
Google will den Alltag verbessern. Die Devise: Informationen liefern, noch bevor man weiß, dass man sie auch braucht. Doch das setzt Vertrauen von Menschen voraus. Auch daran arbeitet der US-Konzern.Google möchte eine größere Rolle im Leben der Internet-Nutzer spielen. Auf einer neuen Foto-Plattform - die es auch auf Apples iPhones und iPads sowie auf Computern über das Web geben wird - können Nutzer uneingeschränkt Bilder zu Google hochladen. Bis zu einer Größe von jeweils 16 Megapixel wird die Original-Auflösung beibehalten.

Auf der Google-Entwicklerkonferenz wurde gezeigt, wie sich die Fotos über alle möglichen Geräte abrufen und chronologisch anordnen lassen. Die Software erkennt automatisch Personen, Orte oder Gegenstände in den Bildern und kann sie danach sortieren. Oder man sucht nach einem Begriff wie "Schneesturm" - und Google sucht die entsprechenden Bilder heraus, ohne dass diese vorher verschlagwortet werden müssten.

Ein neues Androidsystem soll sich besser als frühere Versionen danach richten, wo sich der Nutzer gerade aufhält und wie es ihm helfen kann. Zum Beispiel soll die Software automatisch eine Erinnerung erstellen, die fertige Wäsche aus der Reinigung abzuholen, wenn sie mitbekommt, dass diese Aufgabe gerade vergessen wurde. Das Smartphone kann den Weg zum geparkten Auto weisen oder rechtzeitig die Reise-Planung samt Boarding-Pässe für einen Flug anzeigen.

Die Funktionen sollen auch verschiedene Apps intelligent mit Google-Services wie der Suche verknüpfen. In einem Beispiel auf der Bühne reichte es aus, während ein Song des Musiker Skrillex spielte, zu fragen: "Wie ist sein richtiger Name?" Die Software lieferte die richtige Antwort: Sonny John Moore. Das ist weniger trivial als es auf den ersten Blick erscheinen mag - denn das heißt, Google erkannte den gerade gespielten Song und folgerte korrekt, dass es bei der Frage um den Künstler ging.

Entsprechend werden die neuen Google-Funktionen einen weitreichenden Datenzugriff erfordern, damit die Software genug Informationen hat, um den Kontext zu erkennen. Zugleich passt Google seine Suchmaschine damit stärker an die Nutzung in der Smartphone-Ära an, in der man nicht mehr Suchbegriffe per Hand eintippen muss.

Gleichzeitig gibt Google den Nutzern mehr Kontrolle darüber, auf welche Informationen Apps zugreifen können. Die einzelnen Berechtigungen etwa für E-Mail, Ortungsdienste oder Kalender-Einträge können nun einzeln vergeben werden.

Als weitere Initiative will Google einen Standard für die Vernetzung im so genannten "Internet der Dinge" setzen. Dafür wurden das Betriebssystem "Brillo" - eine abgespeckte Android-Variante - sowie das Kommunikations-Protokoll "Weave" vorgestellt.

Mit dem für Sommer angekündigten Bezahl-Service Android Pay wird man sowohl in Läden als auch in Apps auf den Geräten bezahlen können. Google kooperiert dabei mit Zahlungs-Abwicklern wie Mastercard oder Visa. Der Service soll für alle Android-Smartphones verfügbar sein, die mit NFC-Nahfunk ausgerüstet sind.

Die faltbare Papp-Brille "Cardboard", in die man ein Smartphone hineinsteckt, um in virtuelle 3D-Welten einzutauchen, will Google auch in Schulen bringen. Dabei werden die Geräte der Schüler mit dem des Lehrers synchronisiert, damit sich eine Klasse Bilder aus anderen Ländern ansehen kann. Das System aus 16 Kameras für entsprechende Aufnahmen will Google allen Herstellern zur Verfügung stellen.
© Südwest Presse 30.05.2015 07:45
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