Trennung von der Postbank

Aktionärsschützer werfen dem Vorstand Zickzack-Kurs vor
  • Warnstreik vor der Deutschen Bank am vergangenen Freitag: Postbank-Mitarbeiter demonstrieren für mehr Geld und Kündigungsschutz bis zum Jahr 2020. Foto: dpa
  • Co-Chef Jürgen Fitschen erläutert heute mit Jain die Details der Reform. Foto: dpa
  • Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain setzt auf einen Strategiewechsel. Foto: dpa
Kurswechsel bei der Deutschen Bank: Sie gibt die Mehrheit an der Postbank ab, entweder durch einen Börsengang oder einen Verkauf. Das hat der Aufsichtsrat des deutschen Branchenprimus beschlossen.Die Deutsche Bank geht auf Schrumpfkurs: Die Postbank-Mehrheit gibt der Dax-Konzern auf, auch im Investmentbanking sind Einschnitte beschlossen. Der Entscheidung des Aufsichtsrates waren monatelangen Diskussionen vorangegangen. "Der Aufsichtsrat hat heute einstimmig beschlossen, den vom Vorstand unterbreiteten Vorschlag zu unterstützen", erklärte die Bank in einer knappen Mitteilung am Wochenende. Möglich ist nach Angaben eines Sprechers ein Komplettverkauf der Postbank oder der Verkauf von Aktienpaketen über die Börse. In jedem Fall will die Deutsche Bank ihren Anteil an der Bonner Tochter von 94,1 Prozent unter 50 Prozent senken.

Für Kunden der Postbank dürfte die Entscheidung keine unmittelbaren Folgen haben. Einschnitte soll es auch im Investmentbanking geben. Der Konzern kündigte zudem an, Auslandsaktivitäten stärker zu konzentrieren. Details will Deutschlands größtes Geldhaus an diesem Montag nennen.

Die Neuausrichtung war nötig geworden, weil es der Deutschen Bank seit der Finanzkrise 2007/2008 nicht gelungen ist, ihre Gewinne zu stabilisieren. Die beiden Co-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain hatten als Ziel ausgerufen, mit dem eingesetzten Kapital 12 Prozent nach Steuern zu verdienen. Im vergangenen Jahr sprangen nur 2,7 Prozent Rendite heraus.

Belastet wird die Deutsche Bank durch immer strengere Anforderungen der Aufseher zum Beispiel in Sachen Kapitalausstattung und auch durch den Druck der niedrigen Zinsen auf die Erträge. Zudem hofft das Management, dass eine geschrumpfte Universalbank wieder dauerhaft profitabler sein kann.

Vor einer zwischenzeitlich diskutierten radikalen Reform schreckte das Management zurück. In der monatelangen Diskussion gab es auch Erwägungen, das komplette Privatkundengeschäft samt Filialen der Deutschen Bank abzutrennen. In diesem Fall hätte sich der deutsche Branchenprimus nach dem Vorbild der US-Finanzriesen auf den Zahlungsverkehr, das Kapitalmarktgeschäft und die Vermögensverwaltung für reiche Kunden fokussiert. Doch wurde diese Idee verworfen.

Aktionärsschützer werfen dem Vorstand der Deutschen Bank einen Strategie-Zickzack mit ständig neuen Umbaukosten vor. "Das ist nicht der große Wurf, den der internationale Kapitalmarkt wohl erwartet hat", sagte der Vize-Präsident der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), Klaus Nieding. Mit dem Verkauf der Postbank-Anteile handle der Vorstand wider eine der Lehren aus der Finanzmarktkrise.

Die Gewerkschaft Verdi lobt, dass der Vorstand der Deutschen Bank am Modell einer Universalbank festhalte. Mit einem möglichen Börsengang werde für die Postbank eine neue Wachstumsperspektive erschlossen, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske. In den aktuellen Tarifverhandlungen und Warnstreiks geht es im Kern um einen Kündigungsschutz bis 2020. Verdi wünscht sich eine Absicherung und Perspektiven für die Mitarbeiter. Das lehnt die Postbank ab.

Bei dem Institut war die Deutsche Bank mitten in der Finanzkrise im September 2008 mit knapp 30 Prozent als größter Einzelaktionär eingestiegen. Gut zwei Jahre später sicherte sie sich die Mehrheit.

Mit der Übernahme der auf Privatkunden spezialisierten einstigen Post-Tochter wollte der damalige Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann den Deutsche-Bank-Konzern unabhängiger vom schwankungsanfälligen Investmentbanking machen. Gut 6 Mrd. EUR kostete der Deal, die hohen Erwartungen erfüllten sich jedoch nie.

Immer wieder reißen zudem Altlasten Löcher in die Bilanz der Deutschen Bank. Erst vergangenen Donnerstag hatten britische und amerikanische Behörden die Deutsche Bank wegen ihrer Verwicklung in den Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze zur Zahlung von 2,3 Mrd. EUR verdonnert. Es war die bislang höchste Strafe gegen ein internationales Geldhaus in diesem Fall.
© Südwest Presse 27.04.2015 07:45
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