Kristallbrausen und selbstöffnende Klodeckel

ISH hat sich von der "Interklo" zur High-Tech-Messe für Sanitärtechnik entwickelt
  • Transparente Wasserhähne schweben an Stahlseilen am Messestand von Hansgrohe über den Köpfen der Besucher. Foto: dpa
Eine Brause-Armatur für 2000 Euro, eine Pumpe, die Luft als Wärmequelle nutzt: Die ISH ist nach Ansicht des Branchenpräsidenten die wichtigste Messe für Sanitärtechnik weltweit. Die Hallen sind voll.Es ist kein einfacher Wasserhahn - sondern ein transparenter Wasserbrunnen. Sagen jedenfalls die Spezialisten von Hansgrohe zur Armatur Starck. Tatsächlich ist der Auslauf der Armatur aus Kristallglas. Starck produziert einen "faszinierenden Wasserwirbel" und sorgt für ein "intensiv-sinnliches Wassererlebnis", sagen die Armatur-Experten aus dem Schwarzwald. Zusätzlich ist Starck auch noch sparsam mit nur vier Liter Wasser pro Minute. Hansgrohe-Chef Thomas Klapproth präsentiert das High-Tech-Teil erkennbar stolz am Messestand des Unternehmens auf der ISH, der weltgrößten Sanitär-, Energie- und Klimatechnik-Ausstellung in Frankfurt. Genauso wie den Rainmaker Select, die erste Brause-Armatur aus Glas. Für stolze 1999 EUR.

Solche Produkte sind Design-, aber auch Technikhighlights auf einer Messe, die einst abschätzig als "Interklo" tituliert wurde. Heute ist sie eine High-Tech-Schau, die Akzente für den Klimaschutz und die Energiewende setzt.

Die Messehalle ist voll, die Stände sind umlagert. Für Manfred Stather ist es die wichtigste Messe nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Hier sieht der Präsident des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) und Eigentümer der Freiburger Stather GmbH Trends, Produkte und Entwicklungen für eine Branche, die längst nicht nur für moderne, barrierefreie und altersgerechte Bäder eine zentrale Rolle spielt. Sondern zum Beispiel auch für verbrauchsarme und umweltfreundliche Heizungen, die sich über das Smartphone fernsteuern lassen.

"Mehr als 15 Mio. Heizungen in Deutschland und 75 Prozent des Bestandes sind veraltet. Würden sie modernisiert, könnten rund 13 Prozent des deutschen Endenergieverbrauchs eingespart werden", sagt Martin Viessmann, Chef und Eigentümer der gleichnamigen, renommierten Heizungs- und Klimatechnik-Firma aus Nordhessen. Allein dadurch könne die Lücke geschlossen werden, die sich durch das Aus der Atomkraft auftut.

In den Frankfurter Messehallen ist noch bis zum 14. März unter anderem eine Luftwärmepumpe zu bestaunen, die Luft als Wärmequelle nutzt und so Klima und Umwelt schont. Und hybride Heizungsanlagen von Viessmann, die eine Wärmepumpe und einen Brennwertkessel kombinieren, wie Viessmann stolz erzählt. Die Geräte basieren auf Gas oder Öl und Strom und werden nicht nur entsprechend der Außentemperatur automatisch gesteuert, sondern auch so, dass jeweils die günstigste Energieform genutzt wird und dies zu nahezu 100 Prozent.

Mit Blick auf das Bad geht es auf der ISH, zu der knapp 2500 Aussteller aus 59 Ländern nach Frankfurt gekommen sind, "nicht um die große Revolution und etwa die Abschaffung des Wasserhahns", sagt Jens Wischmann von der Vereinigung Deutsche Sanitärwirtschaft (VDS). Sondern um Design und Funktionalität bei Duschkabinen, um transparente Wasserhähne wie jener von Hansgrohe oder Toiletten mit einem sich selbst öffnenden Deckel und Sitzheizung.

Seit Jahren wächst das Geschäft. 2014 verbuchten die rund 51 300 Unternehmen der Branche mit ihren 509 000 Mitarbeitern einen Umsatz von 52,3 Mrd. EUR, ein Plus von 2 Prozent. Auf Deutschland entfielen gut 43 Mrd. EUR, auf die rund 50 300 Handwerksbetriebe fast 39 Mrd. EUR.
© Südwest Presse 12.03.2015 07:45
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