Klimaneutral mitten in der Wüste

Wirtschaftsminister Gabriel lobt Ökostadt-Projekt in Abu Dhabi
  • Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel besucht mit Ahmad Belhoul, Chief Executive Officer von Masdar, die Ökostadt Masdar in Abu Dhabi. Foto: dpa
Eine Ökostadt mitten in der Wüste, die klimaneutral arbeitet - diese Vision realisiert Abu Dhabi. Der Aufbau dauert aber viel länger als gedacht. Trotzdem ist Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel begeistert.Im wahrsten Sinne mitten in der Wüste baut das Öl-Emirat Abu Dhabi eine Ökostadt als Vision für das Wohnen und Arbeiten von morgen oder übermorgen. Die CO2-neutrale Wissenschaftsstadt soll vollständig mit erneuerbaren Energien versorgt werden. Auf 6 Quadratkilometern Fläche sollen 47 500 Einwohner und rund 1500 Firmen und Institute aus dem Ökologiesektor mit 50 000 Arbeitsplätzen angesiedelt werden. Ein ehrgeiziges Projekt für 20 Mrd. EUR.

Dass so etwas ausgerechnet eine Region in Angriff nimmt, die scheinbar in Öl und Gas schwimmt, findet Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) eine "tolle Idee". Für den Vizekanzler Gabriel ist es ein Thema ganz nach seinem Geschmack. Endlich muss er nicht mehr über Menschenrechte oder Rüstungsexporte reden wie auf der ersten Station seiner Golf-Reise in Saudi Arabien, sondern über sein Lieblingsthema Energiewende.

Er lobt den Siemens-Konzern, der seine örtliche Zentrale mit 800 Mitarbeitern hier angesiedelt hat in einem futuristischen Gebäude, das zwei Drittel weniger Energie verbraucht als die üblichen Bürogebäude in Abu Dhabi. Sehr viel mehr Firmen scheinen allerdings noch nicht vor Ort zu sein.

Masdar City heißt das Städtebauprojekt, das vom Staatsunternehmen Masdar errichtet wird. Der Name steht für Quelle. Schon der Bauplatz hätte in Deutschland keine Chance gehabt: Direkt in der Nähe des expandierenden Flughafens von Abu Dhabi, dem Drehkreuz des Air-Berlin-Partners Etihad. Aber das gilt hier am Golf als großer Vorteil. Genauso wie, dass das Land nicht nur an erneuerbaren Energien arbeitet, sondern auch drei Atomkraftwerke baut. Die Ökostadt versorgt allerdings ein Solarkraftwerk.

Noch gibt es erst ein gutes Dutzend Gebäude auf dem riesigen Gelände, das ansonsten Wüste ist. Die enge Bauweise ist wie manch anderes den traditionellen arabischen Siedlungen abgeschaut. Denn wo wenig Sonne eindringen kann, bleibt das Klima erträglich. Zumindest die Ocker-Farben der Gebäude lehnen sich an die Region an, ansonsten sind es aber moderne mehrstöckige Bauten. Am zentralen Platz, den ein riesiger Kühlturm überragt, gibt es eine Sushi-Bar, vor der Europäer ebenso sitzen wie Araber. Noch wohnen allerdings nur 300 Studenten vor Ort, die an der Hochschule Umwelt-Fächer lernen und in modernen Laboren arbeiten.

Denn beim Aufbau von Masdar City geht es wie bei vielen Projekten viel langsamer voran als geplant: Eigentlich sollte das 2010 gestartete Projekt schon im nächsten Jahr fertig sein. Doch inzwischen ist frühestens von 2025 die Rede. Gerade erst startete der Bau des ersten Wohnhauses mit 500 Wohnungen; ebenso viele werden geplant. Gebaut wird nur, wenn es Nachfrage gibt - und der Staatskonzern Geld gibt.
© Südwest Presse 10.03.2015 07:45
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