Aus für Gaskraftwerk Irsching?

Ein Schlag für Horst Seehofers Energiepolitik
  • Das Gaskraftwerk von Eon im bayerischen Irsching. Foto: Eon
Die geplante Stilllegung des modernen Gaskraftwerkes Irsching schlägt hohe Wellen: Horst Seehofer sieht seine Pläne für eine Energiewende ohne Stromtrassen torpediert und attackiert Sigmar Gabriel.Das Gaskraftwerk im bayerischen Irsching gilt als das modernste und effizienteste seiner Art in Deutschland, ja in ganz Europa. Dennoch soll die Anlage laut ARD-Angaben abgeschaltet werden. Denn Irsching hat im vergangenen Jahr keinen Strom für den Markt produziert. Die wirtschaftliche Perspektive sei "äußerst kritisch", sagt ein Sprecher des Irsching-Betreibers Eon. Aus Gas erzeugter Strom ist auf dem Markt weiterhin zu teuer.

Der Fall Irsching sorgt nicht nur in der bayerischen Landespolitik, sondern auch in der Bundespolitik für Aufsehen und Streit. Denn das Geschehen wirft ein Schlaglicht auf die verfahrene Energiepolitik, den von Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) angestrebten bayerischen Sonderweg und die Frage, wie Deutschland nach dem angestrebten Ausstieg aus der Atomkraft mit Strom versorgt werden soll.

Für Seehofer wäre das Abschalten von Irsching prekär. Gerade er setzt auf Gaskraft, um die so genannte Versorgungslücke zu schließen, die entstehen wird, wenn 2022 alle deutschen Atomkraftwerke vom Netz gehen. So ist es geplant. Gaskraft ist für ihn der Ausweg, um die von ihm und Teilen der Bevölkerung so unbeliebten Stromtrassen von Nord nach Süd und durch den Freistaat zu verhindern, mit denen Windenergie transportiert werden soll. Seehofer nennt es einen "Treppenwitz", nun eine solch moderne Anlage wie Irsching zu schließen.

Die Schuld dafür sieht er in Berlin beim Koalitionspartner. Bundesenergieminister Sigmar Gabriel (SPD) habe bisher kein Konzept erstellt, wie viel Strom auf welche Weise in Zukunft erzeugt werden müsse, damit nicht im Freistaat und anderswo die Lichter ausgehen. Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) steht ihrem Chef Seehofer zur Seite: Gabriel rede "zu viel über den Stromtransport und zu wenig über die Stromproduktion".

In der energiepolitischen Debatte wird die Lage in Bayern nun immer unübersichtlicher. Auch die Grünen und der Bund Naturschutz (BN) stellen sich hinter Irsching - wenngleich sie Seehofers Vorstellungen von mehr Gaskraftwerken ablehnen. Sie vergleichen, wie Seehofer auch, die Gaskraft mit der "schmutzigen Braunkohle". Statt der Irsching-Schließung wäre es sinnvoller, so Grünen-Energiesprecher Martin Stümpfig, "alte und umweltschädliche Kraftwerke stillzulegen". An diese wolle Gabriel aber nicht ran und die Marktbedingungen nicht verändern, so der vielfach erhobene Vorwurf.

Der Verkauf von Energie läuft heute so: Vorfahrt haben die regenerativen Energien wie Wind- und Solarstrom. Dies ist politisch so gewollt, deshalb wird diese Stromerzeugung massiv subventioniert. Danach geht es nach den Regeln des Marktes, es folgen Kohle- und derzeit noch der Atomstrom. Die Herstellung von Strom durch Gaskraft ist teurer, deshalb fällt diese völlig hinten runter. Das Kraftwerk Irsching wird nur gebraucht, um Netzstabilität und Sicherheit zu gewährleisten. Wollte man mehr Gas- und weniger Kohlestrom haben, müsste man entweder die Gaskraft subventionieren oder die Kohle verteuern.

Dass Irsching allerdings tatsächlich dicht gemacht wird, gilt als unwahrscheinlich. Eon müsste jetzt bei der Bundesnetzagentur einen Antrag auf Schließung im Jahr 2016 stellen. Grünen-Politiker Stümpfig meint, dass die Agentur ein Stilllegung wegen der Bedeutung des Werkes für die Versorgungssicherheit "nicht hinnehmen" werde.
© Südwest Presse 07.03.2015 07:45
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