KONJUNKTUR-REPORT: Der Konsum bleibt die Lokomotive

Ein Endspurt - ganz nach dem Geschmack des Handels: Ein Plus im Weihnachtsgeschäft nach Abzug der Preissteigerungen. Auch im Gesamtjahr dürfte der Einzelhandel 2014 mit einem Wachstum von real 1 Prozent so stark zulegen, wie lange nicht mehr. Die Verbraucher sind die entscheidende Stütze der deutschen Wirtschaft, die 2014 wohl ein Wachstum von 1,2 Prozent erreichen wird.

Die Binnenwirtschaft bleibt auch im kommenden Jahr die Konjunkturlokomotive. Hauptgrund ist erneut ein beträchtlicher Einkommenszuwachs. 2015 wird er aus noch mehr Quellen gespeist: Zu sinkenden Energiepreisen und einer rückläufigen Teuerung, die die Realeinkommen steigen lassen, kommt der Mindestlohn hinzu. Er verbessert ungeschmälert die gesamtwirtschaftliche Kaufkraft. Mit ihm bekommen die Menschen mehr Geld ins Portemonnaie, deren Niedrigstlöhne nicht zum Leben reichten.

Unterm Strich wichtiger für die Binnennachfrage sind aber weiter die seit Monaten fallenden Rohölpreise. Die Bundesbürger können mehr Geld ausgegeben, weil sie bei Heizölrechnungen und an den Zapfsäulen weniger berappen müssen. Wer mit Gas heizt, kann sich auf Preisnachlässe im Frühjahr freuen. Dann greift die Anpassung der Gaspreise an die Ölpreise. Sie haben sich binnen sechs Monaten fast halbiert. Weil ein solcher Absturz ungewöhnlich ist, kann man nicht davon ausgehen, dass die Talfahrt ungebremst anhält. Aber für die Kaufkraft der Verbraucher ist schon viel gewonnen, wenn Mineralölprodukte längere Zeit günstig bleiben.

Ob der Arbeitsmarkt auch 2015 die stabile Basis für den Konsum der Verbraucher abgibt, wird sich mit der Metall-Tarifrunde entscheiden: Sollte eine Drei vor dem Komma stehen, dürften insbesondere die kleinen und mittelständischen Firmen ihre Einstellungsbereitschaft überdenken. Dann ist der vielfach erwartete weitere Abbau der Arbeitslosigkeit kein Selbstläufer mehr. Denn bereits jetzt belasten die Unternehmen die Unwägbarkeiten durch die Ukraine-Krise und insbesondere durch die Rezession in Russland auf Grund der wirtschaftlichen Sanktionen der EU und der USA sowie des Ölpreisverfalls.

Für die bundesdeutsche Außenwirtschaft kommt mit dem Höhenflug des Dollar ein weiterer Risikofaktor hinzu. In Schwellenländern wie Brasilien, Südafrika oder der Türkei sorgt die starke US-Währung dafür, dass die Auslandsverschuldung dramatisch ansteigt, was die Spielräume für weitere Importe begrenzt. Schlechte Karten also für Exporteure. Dies gilt auch im Blick auf China. Die Ankündigung der Regierung, der Export werde 2015 nur um 5 Prozent steigen, zeigt, dass das Reich der Mitte im kommenden Jahr wohl noch schwächer wächst.

Gut möglich, dass damit die Währungspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) verpufft. Sie spekuliert mit einer gezielten Schwächung des Euro gegenüber dem Dollar auf Exportvorteile für die Firmen in Euroland. Daraus sollen nicht zuletzt den Krisenländern Wachstumsimpulse erwachsen.
© Südwest Presse 31.12.2014 07:45
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