Flüchtlinge zu Facharbeitern

Wirtschaft kritisiert Arbeitseinschränkung
  • Arbeitgeber-präsident Ingo Kramer: Geduldete Asylbewerber sollen sofort arbeiten dürfen. Foto: dpa
Viele Flüchtlinge, die nach Deutschland kommen, sind gut ausgebildet - und trotzdem zum Nichtstun verdammt. Die Wirtschaft hält das für Unfug.Spitzenvertreter der Wirtschaft fordern einen schnelleren Arbeitsmarktzugang für Asylbewerber. "Den Flüchtlingen, die in unserem Land Zuflucht suchen, sollten wir eine Perspektive geben", sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Eric Schweitzer, der "Welt am Sonntag". Für die Wirtschaft seien Menschen mit Migrationshintergrund eine große Chance.

Seit kurzem dürfen Asylbewerber und Geduldete nach drei Monaten arbeiten, falls es für die entsprechende Stelle keinen geeigneten EU- oder deutschen Bewerber gibt. Bisher betrug diese Frist neun Monate. In Zukunft soll die so genannte Vorrangprüfung nach 15 Monaten wegfallen. Für Fachkräfte wird sie komplett gestrichen.

Der Wirtschaft geht das nicht weit genug. Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer sagte der "Welt am Sonntag", es sei sinnvoll, Asylsuchenden spätestens ab dem sechsten Monat eine Beschäftigung ohne Vorrangprüfung zu erlauben. Geduldete sollten sofort ohne Einschränkung arbeiten dürfen.

Scharfe Kritik äußerte Kramer an den Protesten gegen Flüchtlinge. "Wenn Menschen auf die Straße gehen und gegen Zuwanderung protestieren und Ressentiments schüren, schaden sie unserem Land. Das ist menschlich unsensibel und ökonomisch schädlich", sagte er der "Passauer Neuen Presse". "Dem müssen wir öffentlich entgegentreten." Deutschland sei dringend auf Zuwanderer angewiesen.

Die Flüchtlingsorganisation Pro Asyl forderte, Deutschland solle die Einreise von Irak- und Syrien-Flüchtlingen zu ihren hier lebenden Verwandten erleichtern, etwa durch das Aussetzen der Visaregeln.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) verlangte feste Quoten für die Verteilung von Flüchtlingen in Europa. Bisher ist das EU-Land, in dem ein Flüchtling europäischen Boden betritt, für das Asylverfahren verantwortlich.
© Südwest Presse 08.12.2014 07:45
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