Es muss nicht Google sein

US-Suchmaschine steht immer stärker in der Kritik - Neue Alternativen
Den Begriff "googeln" kennt sogar der Duden, und für viele Anwender ist die Suchmaschine das Internet an sich. Doch wer Google nutzt, zahlt mit persönlichen Daten. Dies lässt sich vermeiden. Eine Suche.Googles Ruf ist nicht mehr der allerbeste. Das Europaparlament ist sogar der Meinung, dass die Marktmacht der Suchmaschine notfalls durch eine Aufspaltung des gesamten Google-Konzerns beschnitten werden sollte. Vor allem die kommerzielle Verwertung gesammelter Informationen stört die Abgeordneten. Das Sammeln von Daten ist eine Säule, auf der Googles Erfolg ruht. Zwar sollen die Daten nur anonymisiert erhoben und für Werbetreibende verarbeitet werden, betont das Unternehmen. Was der Konzern allerdings sonst noch damit macht, ist unklar. Zudem hat Google zumindest eine Zeit lang eigene Angebote vor die der Konkurrenz gesetzt, sich also möglicherweise als Quasi-Monopolist marktschädigend verhalten.

Wer Googles Marktmacht nicht unterstützen will oder den Aussagen des Anbieters zur Datensicherheit misstraut, hat Alternativen. Wir stellen wichtige vor.

Suchmaschine Vielen fällt bei der Internetsuche zunächst DuckDuckGo ein. Diese Suchmaschine verspricht, keine persönlichen Daten zu sammeln und hat einen eigenen Index aufgebaut. Außerdem lassen sich Bilder, Videos und Definitionen finden. Was aber fehlt sind unter anderem Karten und Wegbeschreibungen. Wer nach aktuellen Meldungen sucht, wird ausgerechnet zu Google News weitergeleitet. Deutsche Abfragen funktionieren teilweise nicht richtig.

Die seit März aktive französische Suchmaschine Qwant, an der Springer beteiligt ist, möchte "so viel Privatsphäre und Sicherheit wie möglich geben". Die Spaltenaufteilung der Suchergebnisse in "Netz", "Nachrichten" und "Soziales" ist gewöhnungsbedürftig. Die Geschwindigkeit ist auch nicht die schnellste. Bei den Suchergebnissen ist viel zu sehen, was man im Zweifel überhaupt nicht haben will - Fotos etwa. Änderungen lassen sich nicht abspeichern. Zudem bedient sich Qwant der Suchmaschine Bing - die wiederum vom datenschutzrechtlich ebenfalls umstrittenen Konzern Microsoft kommt. Auch Ixquick, die sich selbst als "diskreteste Suchmaschine der Welt" bezeichnet, reicht (anonymisierte) Anfragen an Google weiter.

Dann doch lieber gleich deutsch. MetaGer heißt eine Suchmaschine, die es schon lange gibt. Die an der Universität Hannover entwickelte Abfrage lässt viele Einstellungen zu, auch "ausgewählte deutsche Suchdienste". Doch will man vor der Abfrage erst rumklicken? Vor allem, weiß man wirklich, was die voreingestellten Yahoo oder Suchticker mit den Daten treiben?

Insgesamt lässt sich sagen, dass es zwar Alternativen zu Google gibt, diese aber nur mehr oder weniger schlechter sind. Wer die Vorteile einzelner Suchhilfen nutzt, kommt auch ohne die Firma mit den bunten Buchstaben aus. Bei Schnelligkeit, Vielfalt, Umfang, Aktualität und - immer noch - Sinnhaftigkeit liegt Google vorn. Doch Google ist mehr als eine Suchmaschine.

Karten Als Alternative zum Platzhirsch Google Maps gibt es beispielsweise den offenen Kartendienst Openstreetmap. Auch Microsofts Suchmaschine Bing hat mit Bing-Maps ein brauchbares Angebot, Nokia baut seinen Kartendienst Here immer weiter auf. Auch Apples in iOS und Mac OS-X integrierte Kartensoftware hat ihre Kinderkrankheiten überwunden.

Videos Das zu Google gehörende Youtube ist riesig, doch auch andere Anbieter haben gute Datenbanken und eine aktive Teilnehmergemeinde. Vimeo zum Beispiel: Hier gibt es neben Amateurvideos auch Uploads von Künstlern. Dailymotion aus Frankreich bietet gut sortierte Themenkanäle.

Übersetzung Googles Übersetzungsdienst Translate ist häufig ziemlich praktisch. Gerade bei komplizierten Sätzen fällt das Ergebnis gelegentlich aber eher unterhaltsam aus. Auf leo.org, dict.cc oder dem Übersetzungsangebot von Pons gibt es ebenfalls Hilfe.
© Südwest Presse 02.12.2014 07:45
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