Weniger befristete Jobs und Zeitarbeit

Minijobs und Zeitarbeit sind in Deutschland weiter rückläufig. Ist das gut oder schlecht? Die Meinungen klaffen zum Teil weit auseinander.Für Millionen Menschen ist es ihr Arbeitsalltag: Sie sitzen für monatlich 450 EUR an der Supermarktkasse, teilen sich im Büro eine Stelle mit einer Kollegin, hoffen als Berufseinsteiger auf den ersten unbefristeten Vertrag. Sie alle zählen zur Gruppe der "atypisch" Beschäftigten. Diese Flexibilität, die Arbeitgeber schätzen, ist manchem Gewerkschafter ein Graus.

"Flexible Beschäftigungsformen wie Teilzeit, Zeitarbeit, geringfügige oder befristete Beschäftigung haben als moderne Instrumente des Personaleinsatzes an Bedeutung gewonnen. Insbesondere die Zeitarbeit hat vielen Arbeitslosen den Weg zurück in den Arbeitsmarkt geebnet", erklärt der Arbeitgeberverband BDA auf seiner Internetseite. "Dennoch werden flexible Beschäftigungsverhältnisse oft als "atypisch" oder "prekär" diffamiert."

2013 zählte gut jeder fünfte Erwerbstätige in Deutschland (21,4 Prozent) zur Gruppe der atypisch Beschäftigten. Lag der Anteil an der atypisch Beschäftigten an der Gesamtzahl der Erwerbstätigen 1991 noch bei 12,8 Prozent, stieg er bis 2010 stetig an auf 22,6 Prozent. Seitdem nimmt der Anteil schrittweise wieder ab. Von 2012 auf 2013 sank die Zahl um 71 000 auf 7,64 Millionen.

"Wir sehen keine Trendwende", kommentiert die Sprecherin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Marion Knappe. "Wenn die Konjunktur halbwegs gut läuft, geht atypische Beschäftigung immer zurück. Das ist immer noch auf hohem Niveau." Vor allem Frauen finden sich oft in solchen Beschäftigungsverhältnissen - bei 32,5 Prozent ist das so, bei den Männern sind es nur 11,7 Prozent.

Arbeitsmarktforscher Hartmut Seifert begrüßt es, dass Arbeitssuchende nicht mehr wie vor Jahren gezwungen seien, "Arbeitsverhältnisse anzunehmen, die schlechte Arbeitsbedingungen beinhalten".

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) dagegen warnt vor allzu vielen Schranken des Gesetzgebers. "Auch diese Arbeitsplätze müssen sich letztlich rechnen, sonst werden sie gar nicht erst angeboten."
© Südwest Presse 27.11.2014 07:45
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