Hersteller warnen häufiger

Was Verbraucher über Rückrufaktionen von Unternehmen wissen sollten
Glasscherben im Apfelmus, Autos mit defekten Bauteilen oder Geschirrspüler, die in Flammen aufgehen können. Es vergeht keine Woche, ohne dass Hersteller ihre Produkte zurückrufen - zum Schutz der Verbraucher.Per Zufall hat Andreas Diethmann erfahren, welche Gefahr von seiner Spülmaschine ausgeht. Unter der Überschrift "Wichtiger Sicherheitshinweis!" informierte der Hausgerätehersteller Bosch Siemens in einer Anzeige im Internet darüber, dass sich bei einigen Modellen, die zwischen 1999 und 2005 hergestellt worden sind, elektrische Bauteile überhitzen können. In seltenen Fällen führe das zu Brandgefahr.

Diese Warnmeldung ist kein Einzelfall. Schon nach den ersten vier Monaten des Jahres bahnt sich ein Rekord bei Rückrufen an. Grund sind vor allem Qualitätsprobleme in der Autoindustrie. Toyota, Chrysler und General Motors aber auch Porsche und BMW haben insgesamt 17 Mio. Fahrzeuge in die Werkstätten beordert. Diese Zahl bestätigt die Einschätzung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, wonach es in der Autoindustrie besonders häufig zu Rückrufen kommt. In Deutschland ermittelt in solchen Fällen das Kraftfahrtbundesamt die Fahrzeughalter. Ruft der Hersteller Neuwagen zurück, greift er in der Regel auf die Kundendaten der Händler zurück und schreibt die Besitzer selbst an. So hat es auch Toyota getan, der 6,39 Mio. Autos, davon 92 000 in Deutschland wegen defekter Bauteile in die Werkstätten zurückgeholt hat. Die betroffenen Bauteile würden geprüft und falls nötig kostenlos ausgetauscht, teilte der Konzern mit.

Allerdings lässt sich die Zahl der zurückgerufenen Produkte in anderen Bereichen nicht so leicht beziffern wie in der Autoindustrie. Eine offizielle Statistik gibt es nicht. Wirtschaftswissenschaftler und Verbraucherschützer sehen tendenziell eine Zunahme. Das hat mehrere Gründe. Neben den schärferen Vorschriften für die Hersteller, hat sich auch der Umgang mit dem Thema an sich geändert. Größere Rückrufe können zwar das Image des Herstellers schädigen, je nach Schwere des Produktmakels. Doch zeigen die Unternehmen damit, dass sie Verantwortung tragen. Rückrufe kommen das Unternehmen zwar teuer, werden aber häufig vom Kunden verziehen, sagen Marketingexperten.

Andere Gründe für die Entwicklung sind der wachsende Warenhandel und die global verknüpfte Produktion. Je vielschichtiger die Zulieferkette ist, desto stärker wirkt sich ein Fehler in der Produktion auf die Ware vieler Unternehmen aus, sagt Niklaas Haskamp, Pressesprecher der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Die Überwachung sei wegen der globalen Handelswege schwieriger geworden.

Verbraucher erfahren von den gefährlichen Produkten meist über die Medien. Doch auch im Internet werden sie fündig: Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin gibt alle Informationen zum Thema Produktsicherheit bekannt, das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit listet auf seiner Homepage die Lebensmittelrückrufe auf.

Im März und April waren es jeweils zwölf. Die Liste reicht von Tiefkühlgemüse über Weichkäse bis zu Mandelbrot. Die Fehler: Chlorat-rückstände, Bakterien, Kunststoff-Fremdkörper. Woher kommen diese Mängel? Die Ursachen für Fehler in den Produkten seien vielfältig, erklärt Haskamp. "Getreide kann aufgrund der Witterungsverhältnisse mit Schimmelpilzen verunreinigt sein, Pestizide wurden falsch angewendet, die Käserei hat mit Listerien zu kämpfen und findet die Quelle der Verunreinigung nicht",

Und was können Verbraucher tun? Verunreinigte oder schädliche Lebensmittel können sie meist ohne Kassenbon im Supermarkt zurückgeben. Im Fall von mangelhaften Elektrogeräten ist es schwieriger. Andreas Diethmann ist bei seinen Nachforschungen auf einem Portal des Bosch-Konzerns gelandet, auf dem auch die Gefahrenquelle in seiner Spülmaschine hingewiesen wird. Mit der Eingabe seiner Daten wurde ihm die kostenlose Reparatur seines Geräts oder ein Preisnachlass beim Kauf einer neuen Maschine versprochen.

Info Mehr Information unter www.baue.de

www.produktrueckrufe.de

www.bvl.bund.de/
© Südwest Presse 05.05.2014 07:45
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