Dax-Konzerne gegen Aufkauf gewappnet

Übernahmen und Fusionen halten die Wirtschaft derzeit in Atem wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Beinahe täglich werden neue Pläne bekannt.Rund um den Globus heizt sich das Klima für Fusionen und Übernahmen auf. Die Konzerne haben nach der Finanzkrise gespart, wenig investiert und große Bargeldreserven angehäuft. Besonders schnell dreht sich das Übernahmekarussell im Telekomsektor und in der Pharmabranche. Doch um deutsche Dax-Konzerne machen Investoren bislang einen Bogen.

Weltweit wechselten in jüngster Zeit im Fusionsspiel Milliarden den Besitzer. Die Medikamentenhersteller Novartis und Glaxo Smith Kline tauschen Sparten. Der US-Pharmariese Pfizer will den britischen Konkurrenten Astra Zeneca übernehmen. Holcim und Lafarge schmieden den weltgrößten Zementkonzern. Der US-amerikanische Siemens-Rivale General Electric (GE) hat es auf die Franzosen von Alstom abgesehen.

Das Volumen der geplanten Übernahmen in den ersten drei Monaten 2014 wuchs auf mehr als 750 Mrd. Dollar (580 Mrd. EUR an. Das ist der höchste Wert für ein Quartal seit knapp sieben Jahren, also kurz vor dem Ausbruch der damals schon schwelenden Finanzkrise.

Die letzte ausländische Übernahme (Vodafone/Mannesmann) im Deutschen Aktienindex, dem wichtigsten deutschen Börsensegment, liegt fast 15 Jahre zurück. Zwar ist die Deutschland AG - ein Geflecht aus Beteiligungen deutscher Großkonzerne untereinander - Geschichte, dennoch bleiben die deutschen Industriegiganten nach wie vor gern unter sich. Beispiele: Bayer/Schering, Porsche/VW, Schaeffler/Continental.

Große Erfolgschancen räumen Anlegerschützer feindlichen Übernahmen auch kaum ein. "Bei deutschen Dax-Konzernen wird das schwierig", sagt Jürgen Kurz von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). "Bei vielen Unternehmen stoßen Interessenten auf zahlreiche Hürden wie etwa Großaktionäre oder kartellrechtliche Bedenken." Als Übernahmekandidaten sieht der Experte vorwiegend Unternehmen mit einem hohen Streubesitz. Auch ein hoher Bargeldbestand ziehe Investoren an - damit können sie einen Teil der Übernahmekosten finanzieren.
© Südwest Presse 29.04.2014 07:45
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